Inoffizielles Thema: Wirtschafts-Krise in Argentinien

Zehntausende Argentinier haben erneut gegen den Sparkurs und die Wirtschaftspolitik der Regierung demonstriert. Die Krise der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas ist auch eines der wichtigsten Themen des 15. Gipfeltreffens der Rio-Gruppe in Santiago de Chile. 19 Regierungschefs nehmen an dem Lateinamerika-Gipfel teil.
"Schluss mit den Einschränkungen und Schluss mit dem Neoliberalismus", sagte Luis D'Elia, einer der Organisatoren der Proteste, am Donnerstag (Ortszeit) bei einer Abschlusskundgebung vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires.
Insgesamt 19 Präsidenten und Regierungschefs nahmen am Freitag ihre Arbeit in der chilenischen Hauptstadt auf. Ein finanzieller Zusammenbruch Argentiniens hätte auch für die anderen Länder des Subkontinents unabsehbare Folgen.
Fast tägliche Kundgebungen wegen Krise
Seit Wochen entlädt sich die Frustration in Argentinien über die Wirtschaftskrise mit steigender Arbeitslosigkeit und dauernden Gehaltskürzungen immer wieder in Straßenblockaden und fast täglichen Kundgebungen. Die Organisatoren drohen mit einer dauerhaften Blockade aller Zufahrtsstraßen zur Residenz des Präsidenten in Buenos Aires.
Staatsbankrott droht
Die Regierung von Präsident Fernando de la Rua kämpft angesichts einer Auslandsverschuldung von etwa 150 Milliarden Dollar (2.259 Mrd. S/164,8 Milliarden Euro) gegen den ständig drohenden Staatsbankrott. Kürzungen von 13 Prozent bei Renten und Staatsgehältern sollen einen ausgeglichenen Haushalt ermöglichen. Am Vorabend des Gipfeltreffens in Chile hatten bereits die Präsidenten Mexikos, Vicente Fox, und Gastgeber Ricardo Lagos ihrem argentinischen Amtskollegen den Rücken gestärkt.
Sparkurs soll Kredite bringen
Die Regierung in Buenos Aires hofft, durch drastische Einschnitte bei den Ausgaben weitere Kredite vom Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhalten. Damit soll das Bankensystem gestützt werden. Finanzexperten warnen seit längerem vor der Gefahr eines Massenansturms der verunsicherten Bevölkerung auf die Banken. Allein im Juli sollen etwa 6 Milliarden Dollar an Devisen von Konten und Depots abgezogen worden sein.
Ein Drittel lebt unter der Armutsgrenze
Unterdessen werden die sozialen Auswirkungen der jahrelangen Krise immer drückender. Im Großraum Buenos Aires, der von europäischem Wohlstand und zugleich vom Elend der Slums gezeichnet ist, leben mittlerweile ein Drittel der etwa zwölf Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Dies ging aus einer Studie des Forschungsinstituts INDEC hervor.
Damit mussten fast vier Millionen Menschen bei einem höheren Preisniveau als in Europa mit knapp 150 Pesos (165 Euro/ (2.270 S) monatlich auskommen. Die ärmsten zehn Prozent mussten sich mit nur 63 Pesos durchschlagen. Zuletzt hatte es ein solches Ausmaß der Armut nur während der Hyperinflation Ende der 80er Jahre unter dem Präsidenten Raul Alfonsin gegeben.
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