Donnerstag, 16. August 2001

NEWS: Auch Rot-Grün bleibt realistisch

Die Zeichen an der Koalitionswand sind alles andere als günstig: Schüssels Regierung hat ihre 54-Prozent-Mehrheit (NRWahl 1999) verloren. Rot-Grün führt in der jüngsten NEWS-Gallup-Umfrage mit 50 zu 48 Prozent gegen VP-FP. Die Gusenbauer-SPÖ ist der Kanzlerpartei mit zehn Prozent Vorsprung auf vorerst 37 Prozent enteilt.

Banges Fazit eines VP-Präsidiumsmitglieds, das für eine Truppe des innersten Kerns der Kanzlerpartei spricht: „Wir müssen 2003 unbedingt Erster werden. Denn es ist völlig klar, dass uns Jörg Haider ein zweites Mal den Kanzler nicht überlässt.“ Nur von Platz eins aus ließe sich der VP-Kanzlersessel verteidigen. Notfalls mit einem SP-Vize, wenn die FP abspringe. Haiders Ankündigung – „einen blauen oder parteifreien Kanzler“ – ist der VP tief in die Knochen gefahren.

Zahlenspiele: Die schwarzen Szenarien
Die schwarzen Szenarien für den Tag nach der nächsten Wahl sind deshalb mehr als düster:

+ Gibt es eine knappe schwarzblaue Mehrheit, ist man von Haiders Gnaden abhängig, ob er der VP wieder den Kanzler zugesteht: Reicht es für Schüssel wieder nur für Platz drei, ist der Kanzler weg. Dann will es die FP wissen. Die VP hat nur noch die Option SP, freilich nur als Junior-Partner.

+ Wird es – derzeit realistisch – Platz zwei bei einer schwarz-blauen Mehrheit, liegt wieder alles bei der FP. Springt die FP ab und will sie sich in der Opposition „regenerieren“, bleibt nur eine rot-schwarze Regierung mit SP-Kanzler. Die SP denkt nicht daran, der VP den Kanzler zu geben, wenn sie voran ist.

+ Nur bei Platz eins – auf den derzeit aber zehn Prozent fehlen – kann sich die VP aussuchen, ob sie mit Haider oder Gusenbauer regiert – und den Kanzler stellt.

+ Bitterstes Szenario: Die VP auf Platz zwei, aber eine rot-grüne Mehrheit: Dann ist bestenfalls ein Vize unter einem SP-Kanzler drin. Oder, wie vor der Wende von Schüssel schon für Platz drei angekündigt, die Opposition.

Die rot-schwarzen Achsen.
Nach wie vor funktionieren die Achsen der Sozialpartner Fritz Verzetnitsch (ÖGB) und Christoph Leitl (Wirtschaftskammer), ebenso das starke Landeshauptleute-Duo Erwin Pröll und Michael Häupl – beide in ihren Parteien jeweils die einflussreichsten Macher und Drahtzieher. Beide VP-Mächtigen des Quartetts weisen offiziell brüsk zurück, an einer Neuauflage von Rot-Schwarz zu basteln, mit ihren Drähten zur SP halten sie freilich ebenso demonstrativ nicht hinter dem Berg.

Lesen Sie alles zu den VP-Plänen über ein Rot-Schwarz-Dacapo im neuen NEWS!

16.8.2001 13:33