Donnerstag, 16. August 2001

52 Todesfälle weltweit

Der US-Anwalt Ed Fagan hat am Mittwoch im US-Staat New Jersey Klage gegen den deutschen Pharmakonzern Bayer eingereicht. Fagan und eine Partnerkanzlei wurden im Namen eines Mandanten tätig, der sich durch die Einnahme des mittlerweile vom Markt genommenen Medikaments Lipobay geschädigt fühlt. Nach Bayer-Sprecher Diehl waren die zum Teil tödlichen Nebenwirkungen bei der Markteinführung nicht absehbar.

Mit dem Cholesterin senkenden Medikament Lipobay werden nach Angaben von Bayer bisher 52 Todesfälle auf der ganzen Welt in Verbindung gebracht. Das Unternehmen bestreitet aber bisher jede Verantwortung. Demgegenüber erklärte Fagan: "Die Gesundheit von mehr als 700.000 Patienten steht auf dem Spiel". Wie im Fall seiner Klage im Zusammenhang mit dem Seilbahnunglück in Kaprun arbeitet Fagan mit der Anwaltskanzlei Nagel Rice Dreifuss & Mazie zusammen.

Ed Fagan will medizinisches Hilfsprogramm
Fagan will seine Pläne und Unterlagen dazu am Freitag in Berlin in einer Pressekonferenz vorstellen (Hotel Intercontinental, Bernauerstraße). In der Klage gegen Bayer geht es Fagan nach eigenen Aussagen vor allem darum, alle Dokumente im Zusammenhang mit dem Rückruf des Medikaments sicher zu stellen. Darüber hinaus fordert er angesichts der potenziell hohen Zahl möglicher Geschädigter die sofortige Einrichtung eines medizinischen Hilfsprogramms. New Jersey sei in diesem Punkt in den USA führend, und deshalb habe man diesen US-Bundesstaat als Gerichtsstand gewählt.

US-Anwälte liefern sich seit dem Rückruf von Lipobay in der vergangenen Woche einen regelrechten Wettbewerb um potentielle Kläger gegen Bayer. In Florida und Oklahoma wurden bereits erste Klagen eingebracht und in North Carolina sammelt eine Kanzlei Unterschriften mit derselben Absicht.

Bayer: Nebenwirkungen waren nicht absehbar
Nach Ansicht des Pharmaherstellers Bayer (Leverkusen) waren die schweren Nebenwirkungen des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol aus den gesetzlich vorgeschriebenen Tests vor der Marktzulassung nicht zu erkennen. Vor Markteinführung habe Bayer 50 Studien mit 2.500 Patienten durchgeführt, sagte Bayer-Sprecher Michael Diehl am Donnerstag der dpa. Nach der Zulassung habe es eine nicht genannte Zahl von weiteren Studien mit zusammen 15.000 Probanden gegeben.

Schwere bis tödliche Nebenwirkungen, die sehr selten seien, seien mit derart geringen Zahlen "leider nicht herauszufinden", sagte Diehl. Die klinischen Tests hätten eine Absenkung des unerwünschten LDL-Cholesterins um durchschnittlich 35 Prozent bei der 0,4-Milligramm-Dosis und von 42 Prozent bei der 0,8-Milligramm-Dosis ergeben.

16.8.2001 10:49