Donnerstag, 16. August 2001

AKW-Sprecher: "Abstimmungen" an der Turbine nötig

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Nach der Behebung der neuen Probleme an der Turbine liefert das südböhmischen Atomkraftwerk Temelin wieder Strom. Die Tests an der Turbine wurden Mittwoch Abend wieder aufgenommen, nachdem diese aufgrund vorangegangener Messungen nachjustiert wurde. Anonymen Mitarbeitern zufolge soll die Turbine jedoch nach wie vor vibrieren.

Wie Temelin-Sprecher Vaclav Brom am Donnerstag gegenüber der APA erklärte, wurde am Mittwoch gegen 18.00 Uhr ein "diagnostischer Probelauf" der Turbine durchgeführt, wobei sich bestätigt habe, dass die Justierung des dritten Niederdruckteiles "gut" sei. Um 19.29 Uhr sei dann die Turbine ans Netz angeschlossen worden, wobei sie zunächst 100 Megawatt Strom lieferte.

"Da die Mitarbeiter von Skoda Energo (der Lieferant der Turbine) mit den Ergebnissen der Messungen zufrieden waren, wurde die Leistung im Laufe des Abends schrittweise erhöht", sagte Brom. Seit 00.30 Uhr sei die Leistung des Generators bei 350 Megawatt und des Reaktors bei 46 Prozent stabilisiert worden. "Bei dieser Belastung weist die Turbine keine Abweichungen von erlaubten den Betriebs-Parametern aus", so Brom.

Alle übrigen Systeme des ersten Blocks liefen "erwartungsgemäß und problemlos", fügte er hinzu. Auf die Frage nach eventuellen Vibrationen betonte Brom, es gebe keine. "Ich kenne das Wort Vibrationen nicht. Die Maschine funktioniert gut, ausgezeichnet", versicherte er.

Anonymen Mitarbeitern zufolge vibriert die Turbine nach wie vor
Die Turbine des tschechischen Atomkraftwerkes Temelin vibriere nach wie vor, berichtete der Obmann des Österreichisch Tschechischen Anti Atom Komitees, der Landtagsabgeordnete Otto Gumpinger (V), am Donnerstag in einer Presseaussendung. Er berief sich dabei auf Aussagen von Temelin-Mitarbeitern, die anonym bleiben wollten. Die auf "Bagatellisierung" ausgerichteten Erklärungen der Kraftwerksleitung seien offenbar "Notlügen".

Damit wolle der Kraftwerksbetreiber offenbar die eigene Regierung von einem Stillegungs- oder Konservierungsbeschluss abhalten, erklärte Gumpinger. Nach Auskunft der zitierten Temelin-Mitarbeiter könne die Turbine aber nicht in Betrieb genommen werden. Der Reaktor laufe auf Minimalbetrieb, das sei an dem nicht vorhandenen Wasserdampfaustritt an den Kühltürmen klar zu erkennen.

Angesichts der notwendigen "Milliardenaufwendungen" für neue Turbinen und der "klaren Haltung" von Österreich und Deutschland bei den EU-Beitrittsverhandlungen, werde ein Konservierungsbeschluss immer wahrscheinlicher, zeigte sich Gumpinger überzeugt. Er rechnet mit einer "Bewegung in Richtung Stilllegung" in den nächsten Wochen.

Der Anti-Atom-Sprecher der NÖ Sozialdemokraten, Günter Leichtfried, erklärte unterdessen in einer Aussendung, der Vorstoß des niederösterreichischen Landeshaupts Erwin Pröll (V) "gegebenenfalls auch ein Veto im Rahmen der tschechischen Beitrittsverhandlungen in Erwägung zu ziehen", sei "jedenfalls die richtige Antwort auf die ständigen Provokationen Tschechiens in Sachen Temelin". Die neuerlichen Störfälle dieser Woche, verbunden mit den ständigen Kalmierungsversuchen der tschechischen Regierung, belegten einmal mehr, dass das UVP-Verfahren längst zur Farce geworden und der Melker Prozess nicht mehr in Ganz zu bringen sei.

16.8.2001 13:01