Sonntag, 19. August 2001

ISRAEL-SPEZIAL

Israelische Kampfhubschrauber haben nach Palästinenserangaben einen Kommandoposten der Leibgarde von Palästinenserpräsident Yasser Arafat in Khan Younis im Gazastreifen angegriffen.

Ob dabei jemand verletzt wurde, war zunächst nicht bekannt. Erst am Samstagabend hatte die israelische Armee das regionale Hauptquartier der palästinensischen Sicherheitskräfte in Khan Younis angegriffen. Der Angriff sei die Vergeltung für den Beschuss israelischer Stellungen und Siedlungen, hieß es in einer Erklärung des Militärs. In der Nacht zum Samstag war bei einem israelischen Angriff auf Khan Younis ein Fatah-Mitglied getötet worden.

Absage an Peres
Die Palästinenser haben den Bemühungen von Israels Außenminister Shimon Peres um die Umsetzung einer Waffenpause eine Absage erteilt.

Man werde erst mit Peres sprechen, wenn Israel das am 10. August besetzte Orient-Haus in Jerusalem räume, sagte Parlaments-Präsident Kurei in einem Zeitungsinterview. Peres hatte gestern gesagt, dass er "in naher Zukunft" Palästinenserpräsident Arafat treffen werde, um mit ihm über die Waffenruhe zu sprechen.

Sharon hingegen hatte bisher politische Gespräche mit den Palästinensern abgelehnt, solange die Angriffe auf Israel nicht beendet sind. Peres erklärte, bei den neuen Kontakten solle es unter anderem um die Umsetzung einer zuletzt von den USA vorgeschlagenen, aber nicht eingehaltenen Waffenruhe und eine Lockerung der israelischen Blockade der palästinensischen Autonomiegebiete gehen.

Bedingungen an Waffenruhe geknüpft
"Wir betrachten derartige Treffen als politische Zusammenkünfte und nicht nur als Treffen zu Sicherheitsfragen", hieß es aus palästinensischen Kreisen. Solche Treffen signalisierten ein Abrücken von der bisherigen Position Israels, dass es keine politischen Gespräche ohne ein Ende der Gewalt gebe.

Kein Ende der Gewalt
Im Gazastreifen wurde unterdessen ein palästinensischer Sicherheitsposten beim Flüchtlingslager Khan Younis von mehreren israelischen Geschossen getroffen und zerstört. Drei Palästinenser erlitten bei dem Angriff Verletzungen. Nach Augenzeugenberichten setzte die Armee Boden-Boden-Raketen ein. Zuvor hatten Palästinenser nach israelischen Angaben eine jüdische Siedlung im Gazastreifen mit Granatwerfern beschossen.

Bei weiteren Ausbrüchen der Gewalt wurde nach palästinensischen Angaben ein sechs Monate altes Baby durch Gewehrfeuer verletzt, als israelische Soldaten in der Nähe eines Kontrollpunktes bei Nablus im Westjordanland einen palästinensischen Wagen beschossen. In den Außenbezirken Jerusalems geriet ein israelischer Bus unter Beschuss, wobei zwei Passagiere leicht verletzt wurden.

19.8.2001 21:12