Taliban suchen offizielle Anerkennung durch die Hintertür

In Pakistan akkreditierte Diplomaten aus Deutschland, Australien und den USA reisen Dienstag nach Afghanistan, dürfen ihre dort inhaftierten Landsleute aber nicht im Gefängnis besuchen. Die Taliban-Machthaber in Kabul werfen den Mitarbeitern der Hilfsorganisation "Shelter Now International" (SNI), vier Deutschen, zwei Australiern, zwei US-Bürgern und 16 Afghanen, christliche Missionierung vor.
Einen Freispruch für die acht Ausländer schließen die Taliban aus. Den Afghanen droht die Todesstrafe. Ein Freispruch für die Ausländer wäre nur möglich, wenn ihnen die afghanischen Vorschriften nicht geläufig seien oder sie das Vergehen irrtümlich begangen hätten, sagte der Taliban-"Minister für die Förderung der Tugend und Verhinderung des Lasters", Mohammad Wali, am Montag. Wenn die Ermittlungen abgeschlossen seien, werde ein Gericht nach den Regeln der Scharia entscheiden, wie die Inhaftierten zu behandeln seien, sagte Wali. Sein Stellvertreter Mohammad Salim Hakkani hatte erklärt, in Zusammenhang mit der Festnahme seien Bibeln und bis zu 7000 Video- und Tonbänder mit der christlichen Lehre entdeckt worden, allesamt in Dari und Paschtu. Die SNI-Mitarbeiter könnten nicht behaupten, dass sie sie nur zum persönlichen Gebrauch verwendet hätten, weil sie nur Englisch und andere ausländische Sprachen sprächen.
Taliban-Regierung international nicht anerkannt
Das Taliban-Regime wird international nicht anerkannt. Die Staatengemeinschaft anerkennt die von den Taliban vertriebene Regierung des Präsidenten Burhanuddin Rabbani und seines Militärchefs Ahmed Shah Massud. Diese ist im Besitz des afghanischen UNO-Sitzes. Die USA sind besorgt über die ausgeweiteten Ermittlungen der Taliban-Milizen gegen westliche Hilfsorganisationen. Taliban-"Außenminister" Wakil Ahmad Muttawakil hatte am Sonntag in Kabul erklärt, es werde untersucht, ob es eine "größere Verschwörung" von Ländern und Organisationen gebe, "gute afghanische Moslems" zum Christentum zu bekehren. "Wir sind überrascht über den Umfang" der Ermittlungen, sagte ein Sprecher der US-Botschaft in Pakistan. Muttawakil sagte, es werde aber nicht unmöglich sein, die in Pakistan akkreditierten Diplomaten Deutschlands, der USA und Australiens zu Gesprächen mit den Behörden ins Land zu lassen. Damit sucht das Taliban-Regime offenbar eine Anerkennung durch die Hintertür.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Raubvögel vergiftet11:09
Falken ausgerottetBregenz: Taubenzüchter vergiftet gesamte Population am Pfänderstock
