Dienstag, 14. August 2001

ORF-General über den Sparkurs

Harte Zeiten für den ORF: Das von den Regierungsparteien ÖVP und FPÖ durchgepeitschte neue ORF-Gesetz verschlechtert die Bedingungen für das Küniglberg-TV: Neuen Werbebeschränkungen kosten den ORF eine Milliarde im Jahr. Und ORF-General Gerhard Weis kündigt einen massiven Sparkurs an - inklusive Personalabbau!

TV- MEDIA: Das neue ORF-Motto: Sparen, sparen, sparen?
Gerhard Weis: Wir haben in unserer Geschäftsführerklausur in Krumbach vor drei Wochen einen Kassasturz gemacht. Das Ergebnis: Der ORF muss eine Milliarde Schilling nächsten Jahr einsparen.

TV- MEDIA: Beim Programm?
Gerhard Weis: Natürlich müssen wir ganz erheblich auch beim Programm sparen. Von Programmausweitungen kann ohnedies keine Rede sein. Von neuen Projekten auch nicht. Aber wir werden auch bei Investitionen und bei der Technik sparen müssen.

TV- MEDIA: Medienstaatssekretär Franz Morak hat Ihnen empfohlen, beim Personal zu sparen …
Gerhard Weis: Wenn wir jetzt beim Programm sparen müssen, dann bedeutet das automatisch, dass wir auch bei den Mitarbeitern einsparen müssen. Das ist eine sehr schmerzliche Angelegenheit.

TV- MEDIA: Welche Sendungen und deren Mitarbeiter werden das sein?
Gerhard Weis: Ich kann und will nicht prophezeien, wer da jetzt unmittelbar betroffen ist.

TV- MEDIA: Gerhard Weis: Ich halte es für ausgeschlossen, dass wir bei den ZiB-Sendungen zu streichen beginnen. Bei der Information, einer Kernaufgabe des ORF, kann man nicht zurückschrauben. Dasselbe gilt für die Bundesländerinformation, deren Qualitätsstandard unbedingt zu halten sein wird.

TV-MEDIA: Ist der ORF in der Krise? Immerhin sank der Marktanteil im Juli von 46,8 % auf 44,8 %.
Gerhard Weis: Eine Krise ist das sicher nicht. Der Rückgang hat drei Gründe. Zum einen stehen uns die Highlights des vergangenen Jahres – etwa die Fußball-WM – heuer nicht zur Verfügung. Zum Zweiten haben wir im letzten Halbjahr gezielt auf öffentlich- rechtliche Kernprogramme gesetzt. Wir haben viele Theater und Opernereignisse auch prominent am Hauptabend ausgestrahlt. Das kostet Seher. Und zum Dritten haben etliche Erfolgsprogramme nicht jene Quoten gebracht, die sie üblicherweise bringen.

TV-MEDIA: : Ab 2002 wird es auch echtes österreichisches Privat-TV geben. Eine Bedrohung für den ORF?
Gerhard Weis:: Keine Bedrohung, eine Herausforderung.

TV-MEDIA: Werden Sie dann noch ORF-Generalintendant sein?
Gerhard Weis: Das ist die unvermeidliche Frage nach meiner persönlichen Zukunft. Und ich kann sie Ihnen unvermeidlicherweise nicht beantworten. Ich muss mich mit meiner Entscheidung, nochmals für diesen Posten zu kandidieren, nicht beeilen. Die Ausschreibung beginnt ja erst am 12. November

Das gesamte Interview finden Sie im aktuellen TV-MEDIA.

14.8.2001 11:43