Montag, 13. August 2001

Jubilar ist derzeit auf Venezuela-Reise

42 Jahre Revolution - Fidel Castro war über die Hälfte seines Lebens Amerikas Erzfeind. Trotz Gift-Zigarren und Attentätern aus Washington wird der Revolutionär heute 75. Nach seinem Schwächeanfall im Juni präsentiert sich "Fidel", wie er von den Kubanern genannt werden will, derzeit auf einer Venezuela-Reise wieder topfit.

Viele Legenden ranken sich um den Weggefährten des berühmten Che Guevara. Auf einem klapprigen Floß soll er mit nur einer Hand voll Getreuer nach Kuba gefahren sein, um die Diktatur Batistas zu brechen. Sein Charme soll auf ihn angesetzte Mörderinnen entwaffnet haben.

Sicher ist: Er hat die Mafia und amerikanische Konzerne enteignet. So hat er sich Washington zum Todfeind gemacht.
Er verstand seine Aufgabe darin, die historische Chance zum grundlegenden Wandel der Gesellschaft zu nutzen. Fidel Castro hat die große Mehrheit seines Volkes hinter sich. Er räumte dem Bildungssektor Priorität ein - so drückte er die Analphabeten-Rate auf unter zwei Prozent - und reformierte das Gesundheitswesen zum Vorbild für Lateinamerika. Auch für Rassismus ist in seiner Ideologie kein Platz. Er schuf soziale Gleichheit auf niedrigem Niveau: Die Ärmsten zogen von Wellblechbaracken in Plattenbauten.

In der Anfangsphase gehörten der Castro-Regierung noch viele gemäßigte Politiker und Demokraten an. Aber nach und nach wurde die Politik radikaler und die Konfrontation mit den USA immer schärfer. Höhepunkt waren die US-Intervention in der Schweinebucht, wo die Invasionsstreitmacht aus Exilkubanern aufgerieben wurde, und die Kuba-Blockade, als die Sowjets auf der Insel strategische Nuklearwaffen stationieren wollten.

Ins Trudeln geriet Castros Regime durch den Zusammenbruch der Sowjetunion. In der Zeit des Boykotts durch die USA wurde die Zuckerinsel von Moskau unterstützt. Ohne diese Hilfe ist es schwierig, der Macht des Dollars zu widerstehen.

13.8.2001 11:34