Montag, 13. August 2001

16 Afghanen droht die Todesstrafe für Missionierung

Die in Afghanistan Taliban-Milizen festgehaltenen 8 westlichen Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now International" (SNI) sollen ausgewiesen werden. Gegen die westlichen Helfer werde die wegen christliche Missionierung Todesstrafe nicht verhängt. Den 16 afghanischen SNI-Mitarbeiter dagen droht die Exekution.

Die in Afghanistan von den herrschenden fundamentalistischen Taliban-Milizen festgenommen ausländischen Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now International" (SNI) sollen nach symbolischen Haftstrafen von wenigen Tagen in ihre Heimatländer abgeschoben werden. Die vier Deutschen, zwei US-Amerikaner und zwei Australier wurden am Sonntag vom obersten Taliban-Führer Mullah Muhammad Omar zu drei bis zehn Tagen Gefängnis verurteilt, wie "Radio Schariat" in Kabul berichtete. Sie waren beschuldigt worden, die moslemische Bevölkerung zum Christentum bekehren zu wollen.

Todesstrafe für afghanische Helfer?
Nach Verbüßung ihrer Strafen müssten die acht Mitarbeiter der Hilfsorganisation das Land innerhalb von 48 Stunden verlassen, entschied der Mullah. Die acht Ausländer waren vor einer Woche zusammen mit 16 afghanischen Helfern festgenommen worden. Für die afghanischen SNI-Mitarbeiter gelte das islamische Recht. Damit könnte gegen sie die Todesstrafe verhängt werden.

In Kabul hatte der Taliban-Vizeminister für die Verhütung des Lasters und die Förderung der Tugend, Mohammad Salim Hakkani erklärt, in Zusammenhang mit der Festnahme seien Bibeln und bis zu 7000 Video- und Tonbänder mit der christlichen Lehre entdeckt worden, allesamt in Dari und Paschtu. Die SNI-Mitarbeiter könnten nicht behaupten, dass sie sie nur zum persönlichen Gebrauch verwendet hätten, weil sie nur Englisch und andere ausländische Sprachen sprächen.

Das Taliban-Regime wird international nicht anerkannt. Im Nachbarland Pakistan akkreditierte Diplomaten aus Deutschland, den USA und Australien hatten sich vergeblich um Kontakt zu den Mitarbeitern der Hilfsorganisation bemüht.

Dem Urteil des obersten Taliban-Chefs gingen Gespräche des UNO-Gesandten Francesco Vendrell mit Taliban-Vertretern voraus. Vendrell traf am Samstag in Kabul ein.

13.8.2001 00:25