Dienstag, 14. August 2001

Selbstmordattentat in Jerusalem

Das Attentat in Jerusalem: Die Bilder, Info-Grafik

Die Hamas hat sich zu einem Attentat bekannt, bei dem am Donnerstag, den 9. August, 16 Menschen ums Leben gekommen sind, über 100 wurden verletzt. Weitere Attentate wurden angekündigt.

Der Selbstmordanschlag eines palästinensischen Extremisten in einer Pizzeria in Jerusalem hat nach Angaben des israelischen Polizeichefs bisher 18 Menschenleben gefordert. Polizeichef Shlomo Aharonischki sagte am Donnerstagabend vor der Presse, unter den Getöteten sei auch der Attentäter, der sich am Mittag in dem voll besetzten Lokal in die Luft gesprengt hatte.

Mindestens fünf Menschen schweben den Angaben zufolge noch in akuter Lebensgefahr. Die israelischen Medien und auch Polizeiminister Uzi Landau hatten zuvor von 17 bis 19 Opfern des Anschlags gesprochen. Mindestens 88 Menschen wurden verletzt.

Der Anschlag in der Pizzeria Sbarro's ereignete sich zur Mittagszeit mitten in der Stadt. Das Restaurant liegt an der Haupt-Durchfahrtsstraße in einem zu dieser Zeit belebten Einkaufsviertel von West-Jerusalem. Nach der Explosion wurde ein weiterer Sprengsatz in dem Restaurant entdeckt, der entschärft werden konnte. Kurz nach dem Anschlag traf sich Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer mit seinen Generälen, um über Vergeltungsmaßnahmen gegen die militanten Palästinenser zu beraten.

Jerusalems Innenstadt wird zum Kriegsschauplatz
Das Fernsehen zeigte Bilder blutüberströmter Menschen, die zum Teil noch auf der Straße lagen. Andere wurden von Sanitätern eilig auf Bahren in die Krankenwagen gebracht. Vielen hatte die Explosion die Kleidung vom Leib gerissen. Eine Frau, der das Blut über Gesicht und Arme lief, schrie offensichtlich unter Schock und starrte die Helfer entgeistert an, während sie versuchte, ihr Gesicht selbst mit einem Tuch abzutupfen. Reporter berichteten, auf dem Bürgersteig lägen überall Glassplitter, Blutlachen und Trümmerteile.

16-jährige Israelin aus Hinterhalt erschossen
Eine junge Israelin ist am Donnerstagabend aus dem Hinterhalt von palästinensischen Heckenschützen erschossen worden. Nach Berichten von Radio Israel feuerten die Palästinenser auf das Auto, in dem die Israelin im Norden des Landes bei Jenin zu ihrem Kibbuz Merav fuhr. Eine 19-Jährige wurde dabei schwer verletzt, zwei andere Mitfahrer leicht.

709 Tote in zehn Monaten der Gewalt in Nahost
Insgesamt 709 Menschen sind bei Anschlägen, Kämpfen und Zusammenstößen in den vergangenen zehn Monaten in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten getötet worden. Die palästinensische Seite hat 561, die israelische 148 Tote zu beklagen. Unter den palästinensischen Toten sind 16 Selbstmordattentäter, mehrere mutmaßliche Informanten der Israelis, 13 israelische Araber, die bei pro-palästinensischen Unruhen umkamen und ein Deutscher, der im Westjordanland wohnte. Unter den israelischen Opfern sind zwei rumänische Gastarbeiter und ein griechischer Mönch mitgezählt.

14.8.2001 10:58