Samstag, 11. August 2001

Das große Streichkonzert

Nach den Massenentlassungen in den USA breitet sich der Flächenbrand aus. Mittlerweile sind auch in österreichischen High-Tech-Firmen Tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Erstmals fürchten sich die verwöhnten IT-Mitarbeiter vor der Zukunft.

Mit dem Spitzenverdienst ist es vorerst ebenfalls vorbei. Am Höhepunkt der Internet und Telekomeuphorie wurde für Spezialisten der Informationstechnologie jeder Preis bezahlt. Ein normaler Netzwerktechniker war kaum unter 800.000 Schilling Jahresbrutto zu bekommen. Für einen jungen EDV-Leiter mußten Firmen locker das Doppelte hinblättern.

Jobkiller statt Arbeitsplatzgarantie
Inzwischen beherrschen weniger die Supergagen als Gewinnwarnungen und Massenentlassungen die Schlagzeilen. Die New Economy, vor wenigen Monaten noch vielgepriesene Jobmaschine mit Arbeitsplatzgarantie, erweist sich nun plötzlich als Jobkiller.

In den USA wurden allein im Juli mehr als 200.000 Stellen gestrichen. Im Epizentrum des Bebens stehen die Telekomkonzerne und deren Zulieferer sowie die Branchen Computer und Consumer Electronic. Der Spitzenplatz im Streichkonzert gehört dem US-Netzausrüster Lucent, der 44.500 Entlassungen ankündigte.

Auch in Österreich sind Jobs akut gefährdet
Längst hat der Flächenbrand auch auf Europa und Österreich übergegriffen. In Deutschland gelten 750.000 IT-Jobs als akut gefährdet, hierzulande erst ein paar tausend. Aber die Alarmsignale mehren sich: Der Mobilfunkbetreiber tele.ring hat soeben 150 Mitarbeiter beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet. Philips stellt wohl noch in dieser Woche die Produktion von Videorecordern ein – 600 Jobs gehen verloren.

Das High-Tech-Unternehmen Kapsch hat aufgrund der Telekomflaute den Abbau von mehr als 200 Mitarbeitern beschlossen. Firmenchef Georg Kapsch: „Es wird länger dauern, bis wieder ein stabiler Zustand erreicht ist“.

Das Interview mit Georg Kapsch, Chef der High-Tech-Schmiede Kapsch, über Risken und Chancen der IT-Branche lesen Sie im neuen Format.

11.8.2001 17:14