In FORMAT: "Schwarze Schafe outen."

Finanzminister Karl-Heinz Grasser fordert, Europreistreiber in der Öffentlichkeit anzuprangern, und setzt auf die Macht des Marktes.
FORMAT: Herr Finanzminister, die Österreicher sind zunehmend verärgert, weil Betriebe die Euroumstellung für Preiserhöhungen nutzen. Läßt Sie das kalt?
Grasser: Die öffentliche Hand ist mit gutem Beispiel vorangegangen.Wir haben in 600 neuen Verordnungen die künftige Höhe von Abgaben, Gebühren usw. geregelt. Und es wurde bei der Umrechnung in Euro ausnahmslos alles zugunsten der Bürger abgerundet. In Summe sind das 300 Millionen Schilling.
FORMAT: Nur folgen die Unternehmen Ihrem guten Beispiel nicht. Ihre Abrundungen bringen jedem Bürger 37,5 Schilling pro Jahr.Viele Konsumgüter werden merkbar teurer. Grasser: Für mich gilt wie für alle anderen europäischen Finanzminister: neue Währung, aber gleicher Preis. Die Euroeinführung darf die Kaufkraft der Menschen nicht verringern.
FORMAT: Wird sie aber, wie es aussieht.Was werden Sie tun, wenn durch den Euro die Inflation steigt?
Grasser: Ich setze auf die Macht des Marktes und der Öffentlichkeit. Es gibt ein gemeinsames Interesse der Notenbank, der Medien, Kammern und Preisbehörden. Sie alle können mithelfen, positive Beispiele publik zu machen, damit die Unternehmen zur Einsicht kommen, daß es ihr eigener Vorteil ist, wenn sie fair gegenüber dem Konsumenten vorgehen. Umgekehrt müssen auch Negativfälle geoutet werden.
FORMAT: Die Lösung ist, die Preistreiber an den Pranger zu stellen?
Grasser: Medien oder Arbeiterkammer sollen die Öffentlichkeit durchaus über negative Beispiele aus der Praxis informieren. Ein Restaurant oder ein Handelsunternehmen zu outen, das unter dem Deckmantel des Euro Preise raufsetzt, ist sehr wirkungsvoll. Es muß klar sein, daß so was ein Schuß ins eigene Knie ist.
FORMAT: Sie glauben, daß sich Firmen auf dieseWeise unter Druck setzen lassen?
Grasser: Es gibt schon Beispiele, wo die Konsumenten Preiserhöhungen durch ihr Kaufverhalten sanktionieren.
FORMAT: Ist Ihr Vorschlag des Outings von schwarzen Schafen nicht der Aufruf zur großen Denunzierung?
Grasser: Sehe ich nicht. Es geht nur um mehr Transparenz, damit die marktwirtschaftlichen Prozesse funktionieren.
FORMAT: Und der Staat lehnt sich zurück, weil man ja eh nicht viel machen kann?
GRASSER: Der Wirtschaftsminister hat die Preisbehörden angewiesen, ab Oktober das Verbot eurobedingter Preiserhöhungen verstärkt zu kontrollieren. Eine amtliche Preisregelung wird es aber nicht geben. Diese Zeiten sind seit dem Kommunismus vorbei.
FORMAT: Fürchten Sie eine steigende Inflationsrate durch die Euroumstellung?
Grasser: Signifikante preistreibende Effekte erwarte ich nicht. Außerdem ist für Österreich der drittniedrigste Inflationswert aller Euroländer prognostiziert. Ein leichter Anstieg wird so keine dramatischen Folgen haben. Im Worst case erhöht sich die Inflation um ein paar Zehntelprozentpunkte.
Welche Preise bei der Euro-Umstellung wirklich teurer und welche fallen werden, lesen Sie im neuen FORMAT.
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