Riesenverlust von über 2 Milliarden Schilling

Heute tagt zum ersten Mal der neue Libro-Aufsichtsrat. Das Gremium wird sich nicht nur mit der tiefroten Bilanz beschäftigen, sondern muss auch die noch immer aufrechten Dienstverträge der ehemaligen Vorstände kündigen.
Die Pleiten-Vorstände hatten zwar ihr Mandat zurückgelegt, deren Gehälter wurden jedoch für Juli und August weiter bezahlt. Ein Rückbehaltungsrecht ist geprüft, aber wieder verworfen worden, weil eine Nichtausbezahlung der Gehälter ein begründetes Rücktrittsrecht der ehemaligen Vorstände und damit ein Wiederaufleben ihrer erst im Vorjahr auf weitere 5 Jahre verlängerten Verträge bewirkt hätte, sagte Steinbauer.
Verluste noch weit höher als bisher angenommen
In die Bilanz für das abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/01 (per 28. Februar) wurden sämtliche Altlasten gepackt, woraus ein Minus-EGT von rund 2,1 Mrd. S (153 Mill. Euro) resultiert. Der Verlust ist damit noch weit höher als bisher angenommen.
Neuer Aufsichtsrat gewählt
Bei der außerordentlichen Hauptversammlung im morbiden Ambiente der Sofiensäle wurde am Mittwoch von rund 150 anwesenden Aktionären ein neuer Aufsichtsrat gewählt und eine aktienrechtliche Sonderprüfung gemäß § 118 Aktiengesetz beschlossen, die die Verantwortung für das Libro-Desaster klären soll und vom ehemaligen Finanzminister Andreas Staribacher durchgeführt werden soll. Libro-Neo-Vorstandssprecher Werner Steinbauer gab sich vor den Aktionären indes überzeugt davon, dass der Libro-Ausgleich am 21. September von den Gläubigern angenommen wird.
Der neue 6-köpfige Aufsichtsrat besteht aus dem Wiener Neustädter Rechtsanwalt und Insolvenzspezialisten Norbert Kosch (72), dem Linzer Betriebswirt Hans Rohregger (60), dem Ex-Wienerberger-Vorstand Paul Tanos (56), dem Steuerberater Günter Tik (46), vormals Billa-Finanzvorstand sowie den beiden Betriebsräten Werner Kratochwil und Getrude Dunkel. Die bisherigen Libro-Aufsichtsräte hatten ihr Mandat zwischen Ende Mai und Ende Juni zurückgelegt.
Die schockierenden Verlustzahlen
Wie aus den - nach wie vor vorläufigen - Zahlen für 2000/01 hervorgeht, sackte das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) bei einem Umsatz von 5,57 Mrd. S auf minus 2,069 Mrd. S (nach plus 3 Mill. S im Jahr 1999/2000) ab. Das EBITDA (Ergebnis vor Abschreibungen und Zinsen) drehte von plus 242 Mill. S auf minus 1,099 Mrd. S. Das aus Kapitalverzehr resultierende negative Eigenkapital führt aus heutiger Sicht zu einer bilanzmäßigen Überschuldung von 1,3 Mrd. S. Der Jahresverlust stieg von 59 Mill. S auf 2,5 Mrd. S.
In der Erfüllung des Ausgleichs liegt man derzeit "relativ gut", berichtete Steinbauer. Für die Libro-Sanierung, die mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen wird, ist allerdings ein Partner notwendig. Von März bis Juni 2001 sei der Umsatz um 40 Prozent eingebrochen. Im Juli lag die Tageslosung laut Steinbauer um rund 13 Prozent unter dem vom Beratungsunternehmen Roland Berger vorgegebenen Plan, in den vergangen zwei Wochen hätten sich die Umsätze aber stabilisiert: "Die Maßnahmen beginnen zu greifen", so Steinbauer. In den Filialen sei wieder frische Ware eingelangt, die Mitarbeiter seien motiviert. Auch eine zweite Werbekampagne sei geplant.
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