SPEZIAL: AM 1. 1. 2002 KOMMT DER EURO

Eurorechner

Bald heißt es in Österreich Abschied nehmen vom Schilling. Wie die scheidende Währung zu ihrem Namen kam, ist nicht 100 Prozent nachweisbar. Über die Taufe des "Euro" weiß man hingegen genau Bescheid: Er ist das Produkt nationaler Eifersüchteleien.

So mancher Chef war schon immer der Meinung, das Gehalt sei "die Zahlung für geleistetes Unrecht" seiner Angestellten. Bei einem Blick in die Quellen trifft diese Definition für den Namen "Schilling" zu.

"Zahlung für geleistetes Unrecht"
"Schilling" war ursprünglich die germanische Bezeichnung des byzantinischen "Solidus". Woher das Wort allerdings etymologisch stammt, liegt im Dunklen. Jacob Grimm vermutete, dass es sich vom altgermanischen "skillan" ableitet. Diese bedeutet "ich habe getötet und bin deshalb bußpflichtig", das Wort "Schilling" ist also, wie Freiherr von Schrötter in seinem "Wörterbuch der Münzkunde" schreibt, die Zahlung für geleistetes Unrecht.

"Neanderthaler" und "Ostmark" als Alternativen zum Schilling
Nach offizieller Darstellung wählte man bei der Einführung am 20. Dezember 1924 den Namen "Schilling" allerdings deshalb, da dieser in Österreich noch in keinem Zusammenhang verwendet worden war. So konnte die neue Währung keine negativen Assoziationen hervorrufen. Auch wenn der "Schilling" als Nachfolger der "Krone" in der breiten Bevölkerung schnell Akzeptanz fand, kritisierte Karl Kraus in "Die Fackel" die Namenswahl und brachte selbst zwei Alternativ-Vorschläge ein, den "Neanderthaler" und die "Ostmark".

"Ecu" war den Deutschen zu frankophil
Der Name der europäischen Einheitswährung Euro ist hingegen vergleichsweise jung und seine Herkunft eindeutiger belegt. Er wurde erst auf dem EU-Gipfel von Madrid am 15.12.1995 beschlossen. Diesem war seit dem Frühjahr eine Kampagne des damaligen deutschen Finanzministers Theo Waigel für die Bezeichnung "Euro" vorausgegangen - die Währungseinheit hatte bis dahin "Ecu" geheißen.

"Gulden" und "Krone" passte den Franzosen wieder nicht
Die Deutschen lehnten diese Bezeichnung jedoch als zu francophil ab. Auf dem Gipfel wurden dann alternative Vorschläge wie "Gulden" und "Krone" verworfen, die wiederum den republikanischen Franzosen sauer aufstießen.

Die laut Waigel plausible Bezeichnung "Euro" hat den Vorteil, überall identisch geschrieben zu werden, national neutral zu sein und die größte Akzeptanz in der Bevölkerung zu genießen. Obwohl der damalige britische Premier John Major den neuen Namen für einen hielt, "der das Blut nicht in Wallung bringt", wurde er am ersten Gipfeltag offiziell beschlossen.

"Euro" noch problematisch in Griechenland: Mehrzahl bedeutet "Urin"
Die Einzigen, denen der "Euro" zu diesem Zeitpunkt noch Kopfzerbrechen bereitete, waren die Griechen. Im Griechischen wird der Plural der neuen Währung "Oura" ausgesprochen und bedeutet nichts anderes als Urin.

Schillinge gibt es auch in vier afrikanischen Ländern
Auch wenn er der Mehrzahl der Österreicher nur als ihre ureigene Währung bekannt ist, verwenden vier Länder Afrikas ebenfalls den Schilling als Zahlungsmittel. Menschen in Somalia, Tansania, Uganda und Kenia ziehen ihn auf dem Markt aus der Geldbörse - wenn auch nicht den österreichischen.

1922 wurde der Schilling in jenen Ländern Ostafrikas eingeführt, die unter dem Einfluss des britischen Kolonialreichs standen. Dieser war an das englische Pfund Sterling gebunden, deren mittlere Münzeinheit der Schilling war.

Im Zuge der Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien wurde die von den ehemaligen "Herren" eingeführte Währung zwar in der Mehrzahl der Länder abgeschafft, einige jedoch ersetzten lediglich das Wort "ostafrikanisch". So wurde zwischen 1960 und 1966 nacheinander in Somalia, Tansania, Uganda und Kenia ein neuer Schilling geschaffen, wie Franz Pick in seinem Buch "All the monies of the world" schreibt.

Die vier afrikanischen Staaten hielten auch dann an ihrer Währung fest, als Großbritannien am 15. Februar 1971 mit der Einführung des New Pence die Schilling-Prägung einstellte. So schmückt bis heute eine Wasserbüffelherde die somalischen 20 Schilling-Scheine.

Die Umrechnungskurse der einzelnen Währungen differieren heute allerdings erheblich. Erhält man für einen österreichischen Schilling fünf Kenia-Schilling, so sind es in Somalia 168.

9.8.2001 16:37
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