15 Produktionsstätten werden geschlossen

Der durch einen Medikamentenskandal in Bedrängnis geratene Pharma- und Chemiekonzern Bayer streicht weltweit 4.000 Stellen. Um rund 7 Mrd. Euro (96,3 Mrd. S) sank nach dem Arznei-Skandal von einem Tag auf den anderen der Kapitalwert des Unternehmens. Dazu kommt der unter den Erwartungen der Analysten liegenden Gewinnausweis für das zweite Quartal.
Die Schließung von 15 Produktionsstätten und die damit verbundene Streichung von 4.000 Arbeitsplätzen sowie weitere Kostensenkungen sollten Einsparungen von bis zu 1,5 Mrd. Euro (20,6 Mrd. S) im Jahr bringen. Bei dem weltweiten Stellenabbau soll es zumindest in Deutschland bis 2004 keine betriebsbedingten Kündigungen geben, versicherte der Konzern.
Medikament wird mit 40 Todesfällen in Verbindung gebracht
Er zieht damit die Konsequenz aus dem am Mittwoch verkündeten Verkaufsstopp für den Cholesterin-Senker Baycol/Lipobay. Dieser wird mit fast 40 Todesfällen in Verbindung gebracht, vier davon in Deutschland.
Der Verkaufsstopp hat natürlich Auswirkungen auf unsere Pharmastrategie sowie die künftige Entwicklung des Konzerns", erklärte Bayer-Vorstandschef Manfred Schneider. "Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend." Für den Konzern hätten aber "Sicherheit und Gesundheit der Patienten absoluten Vorrang".
Durch das Kostensenkungsprogramm sollen noch in diesem Jahr dreistellige Millionenbeträge eingespart werden. Im kommenden Jahr sollen es knapp eine Mrd. Euro sein und 2005 dann bis zu 1,5 Mrd. Euro.
Starker Gewinneinbruch im zweiten Quartal
Einen Tag nach dem Rückruf eines seiner umsatzstärksten Medikamente hat der Pharma- und Chemiekonzern Bayer am Donnerstag die Märkte mit einem unter den Erwartungen der Analysten liegenden Gewinnausweis für das zweite Quartal geschockt.
Für das Gesamtjahr geht Bayer - wie schon am Vortag mitgeteilt - von einem erheblich unter den bisherigen Erwartungen liegenden Ergebnis aus. "Die erwartete wirtschaftliche Erholung ist bisher leider ausgeblieben", teilte Vorstandschef Manfred Schneider mit.
Rückruf des möglicherweise lebensbedrohlichen Medikamentes
Der Rückruf des Cholesterinsenkers Baycol/Lipobay wegen möglicherweise lebensbedrohlicher Nebenwirkungen hatte am Mittwoch die Bedenken von Investoren verstärkt, ob Bayer weiter unabhängig bleiben kann. "Die Ergebnisse sind enttäuschend und nähren weiter die gestern aufgekommenen Bedenken", sagte Boris Boehm, Fondsmanager bei Nordinvest/Hamburg.
Bayer braucht dringend einen Partner
Bayer ist nun stärker dazu gezwungen, sich nach einem Partner für einen Zusammenschluss umzuschauen. Fällt die Aktie weiter, wird Bayer ein Übernahmekandidat, sagte WestLB-Analyst Andreas Theisen. "Ich denke aber, dass der große Anteil an Industrieaktivitäten einen Käufer erstmals zurückhalten wird."
Der operative Gewinn aus dem laufenden Geschäft fiel im zweiten Quartal den Angaben zufolge auf 508 Mill. Euro von 920 Mill. Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt 782 Mill. Euro bei einer Spanne von 693 bis 883 Mill. Euro vorhergesagt.
Bayer drohen Klagen wegen Lipobay-Geschichte
Auf der Analystenkonferenz am Nachmittag in London steht vor allem die weitere Entwicklung bei dem Bluter-Medikament Kogenate im Mittelpunkt, so WestLB-Analyst Theisen. "Das zweite große Thema ist, ob man hinsichtlich der Lipobay-Geschichte größere Klagen erwarten muss und damit Schadenersatzansprüche", sagte Theisen. Der Münchener Anwalt Michael Witti prüft nach eigenen Angaben bereits Grundlagen für Klagen gegen Bayer.
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