Vorstands-Spitzengagen noch 5 Jahre lang

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"Fassungslos" waren Kleinaktionäre bei der gestrigen Hauptversammlung: Beim Kapital-Schnitt, der immer wahrscheinlicher wird, würden sie durch die Finger schauen. Ein ungeheurer Skandal: Der Libro-Pleiten-Vorstand kassiert weiter Millionen-Gagen. Noch fünf Jahre lang! Weil eine Vertragskündigung noch um einiges teurer wäre.
Bei der außerordentlichen Hauptversammlung der im Ausgleich befindlichen Libro AG wurde erwartungsgemäß eine Sonderprüfung gemäß Paragraph 118 Aktiengesetz beschlossen. Die Sonderprüfung wird auf Antrag des Libro-Mehrheitsaktionärs Gottwald Kranebitter der Wirtschaftsprüfer und ehemalige Finanzminister Andreas Staribacher durchführen.
Bei der insolventen Medienhandelskette ist inzwischen das gesamte Grundkapital verbraucht. Sachverständige sollen nun prüfen, inwieweit der ehemalige Libro-Vorstandsvorsitzende Andre Rettberg das Gesetz verletzt hat und zur Verantwortung gezogen werden kann. Auch einzelne Geschädigte wie Aktionäre oder Gläubiger könnten an diesen Punkt anknüpfen, um ihre Ansprüche geltend zu machen.
Neuer Libro-Aufsichtsrat gewählt
Nach zahlreichen Wortmeldungen verschiedenster Kleinaktionäre wurde heute bei der außerordentlichen Hauptsammlung ein neuer Aufsichtsrat gewählt. Ein Antrag des Wirtschaftsanwalts Wolfgang Leitner, den Obmann des Interessensverband der Anleger IVA, Wilhelm Rasinger, in den Aufsichtsrat zu wählen, wurde abgelehnt. Bei der Versammlung waren 150 Aktionäre bzw. Aktionärsvertreter anwesend.
In den Libro-Aufsichtsrat gewählt wurden gestern der Rechtsanwalt und Insolvenzspezialist Norbert Kosch (72), der unter anderem den Konsum-Konkurs begleitete, weiters der Betriebswirt Hans Rohregger (60), zuletzt bei der Raiffeisen Waren Austria tätig, Paul Tanos (56), langjähriger Vorstand bei Wienerberger, und der Steuerberater Günter Tik (46), der lang Jahre als Billa-Vorstand tätig war. Die Aufsichtsräte wurden für eine volle Funktionsperiode gewählt. Die bisherigen Libro-Aufsichtsratmitglieder hatten ihr Mandat Ende Mai bzw. Ende Juni zurückgelegt.
Horrendes Minus von 1,3 Milliarden S
Die an der Wiener Börse notierte Buch- und Medienhandelskette Libro AG hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/01 (per 28. Februar) noch höhere Verluste als bisher angenommen und eine sehr hohe bilanzmäßige Überschuldung eingefahren. Wie das Unternehmen am Mittwoch unmittelbar vor der außerordentlichen Hauptversammlung ad-hoc bekanntgab, sackte das EGT auf minus 2,069 Mrd. S (150 Mill. Euro) ab, das EBITDA (Ergebnis vor Abschreibungen und Zinsen) sank auf negative 1,099 Mrd. S (80 Mill. Euro). Das aus Kapitalverzehr resultierende negative Eigenkapital führe aus heutiger Sicht zu einer bilanzmäßigen Überschuldung von 1,3 Mrd. S (94 Mill. Euro).
Die Wiener Börse hat die gestern Vormittag veröffentlichten Jahreszahlen 2000/01 offensichtlich positiv aufgenommen. Gegen 11:30 Uhr notierte die Libro-Aktie bei 2,40 Euro und damit 14,29 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages.
Partner für Lion.cc muss bis Ende August gefunden werden
"Wir verhandeln wie die Wilden. Bis spätestens Ende August muss ein Partner für die Lion.cc gefunden sein", sagte KPMG-Geschäftführer und Libro-Mehrheitaktionär Gottwald Kranebitter heute am Rande der Libro-Hauptversammlung. Derzeit zeichnet sich eine Fortführungslösung mit zwei bis drei neuen Partnern für die Lion.cc ab.
Die Lion.cc wird voraussichtlich nicht zerschlagen werden, eine Gruppe um die deutsche Metro-Tochter Primus Online könnte Lion.cc übernehmen, erläuterte Kranebitter. Mit der Telekom Austria verhandelt man indes nicht mehr. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), die derzeit noch an der Lion.cc beteiligt ist, wird am angestrebten Fortführungskonzept nicht mehr dabei sein.
Für den Libro-Ausgleich ist aus dem laufenden Geschäft von Lion.cc nichts zu befürchten. Das einzige Risiko, das jedoch bis dato nicht angesprochen wurde, sind Schadenersatzansprüche, die die WAZ bei Lion.cc erheben könnte.
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