Donnerstag, 9. August 2001

Bis Mitte 2002 sollen 700 Postämter zugesperrt werden

Die Post spürt den harten Wind des freien Marktes: Mitten in der Sanierungsphase rüstet die künftige Konkurrenz zum Angriff. Die Niederländische Post plant, gemeinsam mit zwei Partnern in Österreich einzusteigen. Jagd auf die Marktanteile der Post AG will sie mit ihrer Tochter gfw und der Styria machen.

Anton Wais, Generaldirektor der Österreichischen Post AG, bekommt die ausländische Konkurrenz immer mehr zu spüren. Aus Branchenkreisen heißt es, dass die Holländische Post ihren Einstieg in Österreich plant, so das "Wirtschaftblatt". Die Holländer werden mit der Zustellung von persönlich addressierten Postsendungen starten. Das ist quasi fix.

Die Umsetzung des Dienstleistungs-Start wird durch den Werbemittelverteiler gfw erfolgen, der von der Holländischen Post übernommen wurde. Er kooperiert mit der Vertriebstochter Ci-Media Printmedienvertrieb GmbH der Styria AG. Offen ist noch, ob von gfw und Styria ein eigenes Unternehmen gegründet wird oder ob die Post-Dienstleistungen über eine Kooperation abgewickelt werden.

Auch die Mediaprint arbeitet zur Zeit an einem Post-Zustellungsprojekt. In der Post AG gibt man sich angesichts der wachsenden Konkurrenz vorsichtig, aber doch gelassen. "Wir nehmen die Konkurenz sehr ernst", sagt Post-Sprecher Michael Homola im "Wirtschaftsblatt".

LH Haider wehrt sich gegen die Schließung
Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider stellt sich gegen die Schließung der Postämter: "Wir werden überhaupt keine Schließung akzeptieren."Als Grund nennt Haider ein Übereinkommen: "Es gibt einen Vertrag zwischen dem Land Kärnten und der Post, der garantiert, dass die bestehenden Postämter bis 2004 geöffnet bleiben".

Haider beruft sich dabei auf den Paragraph 8 der im November 1998 getroffenen Vereinbarung, mit folgendem Inhalt: Die Post AG erklärt sich bereit, in jeder Gemeinde des Landes Kärnten zumindest ein Postamt oder eine Postservicestelle aufrechtzuerhalten. Allfällige aus betriebswirtschaftlichen Gründen beabsichtigte Schließungen sind im Einvernehmen mit dem Land Kärnten vorzunehmen. Die Post AG wird jedenfalls ihrer Universaldienstverpflichtung aus dem Postgesetz im Land Kärnten nach kommen.

Haider fordert zudem einen "Postgipfel" mit Infrastrukturministerin Monika Forstinger (F), den Landeshauptleuten und den Post-Verantwortlichen.

Post erhofft sich Einsparungen von 150 Millionen S
Die Österreichische Post AG will durch die Reform ihres Postämternetzes im kommenden Jahr mehr als 150 Mill. S (10,90 Mill. Euro) einsparen. Noch einmal so viel Ersparnis erhofft man sich auch im Folgejahr. Der Umsatz je Mitarbeiter soll von derzeit 50.000 Euro (688.015 S) auf 60.000 Euro gehoben werden. Erreicht werden soll dies durch das Zusperren unprofitabler Standorte und damit durch eine Verdünnung des Filialnetzes. Rund 700 Ämter sollen zwar geschlossen werden, dennoch wird sich Österreich auch danach, was die Postämterdichte betrifft, im europäischen Mittelfeld befinden, heißt es aus der Post.

Dass die Post vor den Postämterschließung in "Regionalkonferenzen mit den betroffenen Bürgermeistern, Gemeindevertretern und Interessensgruppen" reden will, wurde am Dienstagabend in den Bundesländern positiv aufgenommen. Die SPÖ Salzburg begrüßt die Regionalkonferenz im Pinzgau, eine der ersten Regionen, in denen die Post und die Kommunalvertreter herantreten will.

Aufsichtsrat bestätigt: rund 700 Postämter sperren zu
Als "rechnerische Größe" bestätigte Post-Sprecher Michael Homola nach dem Aufsichtsrat auch die Schließung von etwa 700 Postämter. Welche Postämter exakt von der Schließung betroffen sind, ließ die Post weiterhin offen. Man will hier in einen Dialog mit der Bevölkerung treten.

Geplant sind "Regionalkonferenzen mit den betroffenen Bürgermeistern, Gemeindevertretern und Interessensgruppen". Die Post hat vorerst zwei "repräsentative Regionen" ausgewählt, das Pinzgau in Salzburg und das Weinviertel in Niederösterreich. Dort soll die Zweckmäßigkeit dieses Vorgehens für ganz Österreich getestet werden.

Bis zum Jahresende 2001 sollen derartige Gespräche in ganz Österreich stattfinden. Die Verkleinerung des österreichischen Postämternetzes soll bis Mitte 2002 abgeschlossen sein.

9.8.2001 12:01