Donnerstag, 9. August 2001

Lückenlose Video-Überwachung

Randalierenden Fußballfans drohen in Italien ab sofort Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren. Dies sieht ein am Donnerstag von der Regierung in Rom verabschiedetes Dekret vor, mit dem die zunehmende Gewalt im italienischen Fußball eingedämmt werden soll.

Wer in oder außerhalb der Stadien mit Gegenständen wirft, wird mit Haftstrafen von sechs Monaten bis zu drei Jahren bestraft. Zuschauer, die das Spielfeld stürmen, müssen mit bis zu sechs Monaten Haft oder Geldstrafen von bis zu umgerechnet rund 14.000 S rechnen. Verurteilten Randalierern wird bis drei Jahre der Zutritt zu allen Stadien untersagt.

Mit ihrem Dekret hat die Regierung unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Strafen für Ausschreitungen bei Sportveranstaltungen drastisch verschärft. Straftäter müssen von nun an nicht mehr auf frischer Tat ertappt werden, sondern können mit Hilfe von Video-Aufzeichnungen überführt, innerhalb von 48 Stunden verhaftet und dann durch Schnellgerichte in kürzester Zeit verurteilt werden.

Dekret soll zum Gesetz werden
Das Dekret tritt zum ersten Spieltag der Serie A am 25. August für 60 Tage in Kraft. Bis zum Ablauf dieser Frist soll dann ein Gesetz verabschiedet werden. Dies sieht außerdem vor, dass alle Veranstalter von Sportwettkämpfen mit über 10.000 Zuschauern im Freien und über 4.000 Zuschauern in Hallen innerhalb von sechs Monaten eine lückenlose Video-Überwachung installieren müssen. Veranstalter, die mehr Zuschauer als zugelassen in die Stadien lassen, machen sich strafbar. Ebenso liegt es in Zukunft in der Verantwortung der Veranstalter, dass Zuschauer den für sie vorgesehen Bereich in den Stadien nicht verlassen können.

Persönliche Daten werden erfasst
Ähnlich wie in England und Frankreich müssen bei Veranstaltungen mit über 10.000 Zuschauern ab 2003 auch in Italien die persönlichen Daten der Besucher beim Kauf der Eintrittskarte erfasst werden. Damit sollen Randalierer leichter identifiziert werden können.

Todesfall in Messina
Mit dem Dekret und dem anstehenden Gesetz reagierte die von dem Präsidenten des Fußballklubs AC Milan, Silvio Berlusconi, geführte Regierung auf die Gewaltexzesse der letzten Fußballsaison. Immer wieder kam es zu Straßenschlachten zwischen rivalisierenden Randalierern und der Polizei, zu Messerstechereien und bei der Explosion eines Sprengkörpers im Stadion von Messina auf Sizilien sogar zu einem Todesfall.

Motorroller angezündet
Am letzten Spieltag mussten die Partien in Rom und Turin unterbrochen werden, weil tausende Fans die Spielfelder gestürmt hatten. Wie eklatant die Sicherheitsmängel in den italienischen Stadion sind, zeigte sich am 6. Mai auch bei einem Heimspiel von Inter Mailand im Giuseppe Meazza-Stadion. Inter-Fans gelang es damals, einen Motorroller auf die Tribüne zu schleppen, ihn anzuzünden und brennend die Treppen hinunterzuwerfen.

9.8.2001 16:10