Donnerstag, 9. August 2001

Steffi: "Bei Gold flippe ich aus"

Steffi Graf: Sport-Diashow & die privaten Bilder

Stephanie Graf startet am Donnerstagabend (Ortszeit/Freitag, 03.55 MESZ) bei den VIII. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton mit dem Vorlauf in die "Operation WM-Medaille", die natürlich vergoldet werden soll. "Ich bin hierher gekommen, um zu gewinnen. Ich wäre ja eine schlechte Sportlerin, würde ich nicht nach dem Höchstem streben", sagt die Olympia- und Hallen-WM-Zweite über 800 m.

Das große Finale steigt zwar erst am Sonntag (23.45 MESZ/live ORF1), doch auch in der ersten Runde und im Halbfinale am Freitag (Samstag, 04.05 MESZ) heißt es für die Kärntnerin aufpassen. Graf: "Der Vorlauf wird sicher kein Honig lecken wegen des Tempowechsels. Und im Semifinale muss man eigentlich schon wie im Finale laufen, denn es genügt der kleinste Fehler und man ist weg. Die ersten beiden Runden werden also viel Substanz kosten."

Nach dem "optimalen Training" in Kalifornien hat die Hallen-Europameisterin aber wieder die Gewissheit, dass sie ihren Rekord von Sydney, wo sie im Finale in 1:56,64 Minuten zu Silber gelaufen war, wieder in den Beinen hat. "Ich stehe leistungsmäßig jetzt genau dort, wo ich vor Olympia gestanden bin", betont die 28-Jährige, die sich mit neuer Frisur in Edmonton präsentiert. "Ich wollte ein bissl wilder werden", erklärt Graf zu ihren beiden seitlich wegstehenden "Zopferln". "Das sind jetzt meine Hörner."

Als Hauptkonkurrentin um WM-Gold sieht sie nach der Dopingsperre der Brasilianerin Fabiane dos Santos natürlich Olympiasiegerin Maria Mutola aus Mosambik, die am 20. Juli in Monte Carlo in 1:57,11 Jahresweltbestzeit erzielt hat. Die Mathematik- und Italienisch-Studentin ist sich aber sicher, dass die Erzrivalin, die ihr bei der Hallen-WM in Lissabon die bisher einzige Saisonniederlage im direkten Duell zugefügt hat, ihre Karten noch nicht voll aufgedeckt hat.

"Die Maria ist so routiniert, dass sie sich hier noch steigern wird, wobei meine Saisonbestzeit von 1:58,20, die ich mit Krankheit gelaufen bin, sicher auch noch nicht das letzte Wort war. Daneben werde ich aber auch vor allem auf Kelly Holmes aufpassen müssen. Sie ist sicher ein Geheimtyp. Schon in Sydney hat sie sich langsam herangeschlichen und ist dann im Finale perfekt gelaufen", berichtet Österreichs Laufgräfin über die britische Olympia-Dritte. Ihr ostdeutscher Trainer Helmut Stechemesser, der ganz gelassen ist, weil er weiß, dass "Stephanies Zug hinten raus wieder stimmt", rechnet außerdem noch mit einer der drei Russinnen.

Wenig erfreut zeigt sich Graf über die Absage der Hallen-WM-Dritten Helena Fuchsova aus Tschechien. "Sie wäre wichtig fürs Finale gewesen, denn sie macht die Rennen normalerweise immer sehr schnell. Und dadurch, dass uns jetzt die Tempomacherin fehlt, besteht die Gefahr, dass die Siegerzeit relativ langsam ist. Und da können dann bis zu sieben Athletinnen, auf den letzten 100 Metern voll kommen, vor allem die drei Russinnen sind bei einem solchen Rennverlauf sehr gefährlich."

Das langsamste 800-m-Finale der WM-Geschichte war übrigens Tokio 1991, als die Sowjetrussin Lilija Nurutdinowa in 1:57,50 siegte. In diesem Rennen wurde übrigens Mutola mit dem Juniorenweltrekord von 1:57,63 hinter der Kubanerin Ana Fidelia Quirot (1:57,55) und der Rumänin Ella Kovacs (1:57,58) Vierte. Über eine solche Platzierung wäre Graf bitter enttäuscht, "denn mein Minimalziel heißt Medaille", spricht die Golden-League-Gewinnerin von Rom, Paris und Oslo Klartext, um dann die Abstufungen in der Freudenskala zu erklären. "Wenn ich Gold gewinne, flipp ich aus. Bei Silber freue ich mich sehr, und bei Bronze ein bissl."

9.8.2001 09:29