Sonntag, 12. August 2001

Personalberater und Headhunter resümieren

FORMAT bat Personalberater und Headhunter zu einem außergewöhnlichen Resümee. Wie gut sind eigentlich die Minister, die unser Land regieren? Hätten sie eine Chance in der freien Wirtschaft? Die Ergebnisse sind zum Teil vernichtend.

Ingesamt zwölf renommierte Headhunter, Personalberater und Meinungsforscher zogen eine etwas andere Regierungsbilanz. Schwerpunkt war die Performance der einzelnen Minister. Für einzelne Fähigkeiten (Auftreten in der Öffentlichkeit, politisches Handwerk, Umsetzen von Ankündigungen) wurden Schulnoten vergeben. Weiters fragte FORMAT auch nach den Chancen der Minister auf dem privaten Markt. Die originellsten Antworten werden wiedergegeben.

Bundeskanzler und Vizekanzlerin präsentierten ihre Wendebilanz an einem stadtbekannten gutbürgerlichen Ausflugsort: der Villa Aurora, an den Hängen des Wiener Wilhelminenbergs gelegen. Und Aurora, die Göttin der Morgenröte, sollte wohl auch Patin stehen für die Zukunft des Wendekabinetts, die viele alles andere als rosig sehen.

Immerhin: Zwei Budgets, Nulldefizit, Kindergeld, ORF-Gesetz, Privatradiogesetz und Studiengebühren haben den Nationalrat bereits passiert, die Telekom ist privatisiert, der Hauptverband umgefärbt. Sechzig Vorhaben, referierten Schüssel und Riess-Passer im Duett, seien bereits umgesetzt. Die Pläne für den Herbst sind hochfliegend: Verwaltungs- und Steuerreform stehen an, ebenso die Ausgliederung des Arbeitsmarktservice und eine Totalreform des Gesundheitssystems – ganz nach dem blau-schwarzen Lieblingsmotto: weniger Staat, mehr privat.

Demonstrativ uneinig
In anderen Fragen herrscht wiederum demonstrative Uneinigkeit. Etwa bei der Osterweiterung und an Nebenfronten wie der Abschaffung des Homosexuellenparagraphen 209. Und manches geriet zum veritablen Flop: der Brachialpostenschacher in staatsnahen Unternehmen, das Chaos bei den Ambulanzgebühren, die unsoziale Besteuerung bei den Unfallrenten, das Gezerre um Hauptverbandspräsident Hans Sallmutter.

Fettnäpfchen
Und vor allem in Personalfragen gemahnte die Performance der scharz-blauen Wenderegierung mitunter an ein schlecht einstudiertes Laienstück. Nicht nur bei der Mitarbeiterauswahl hapert es, auch fachlich passierten Fehltritte: Die Liste der Gesetzespannen ist lang, zahlreiche blau-schwarze Bestimmungen harren einer endgültigen Entscheidung durch den Verfassungsgerichtshof.

Pannen, Fehler, Fettnäpfchen – immer wieder stehen vor allem die regierungsunerfahrenen blauen Minister im Zentrum öffentlicher Kritik. Die Vorwürfe: unprofessionelle Arbeit, undurchdachte Vorstöße, unglückliches Personalmanagement. Liegt die Schuld an diesen Pannen beim Minister selber? Oder sind sie Opfer einer mitunter widerspenstigen Ministerialbürokratie? Können Minister genauso beurteilt werden wie Spitzenmanager, oder besteht doch ein Unterschied zwischen dem Job eines Coca-Cola-Generaldirektors und dem des Finanzministers? Und vor allem: Versagt die Personalauswahl der Parteien? Könnte ein Headhunter den besseren Minister finden, wenn er dürfte – genauso, wie er den Manager für ein multinationales Unternehmer aus Tausenden Bewerbern herausfiltert?

„Ein Minister kollabiert, ein anderer ist vorzeitig ausgeschieden, eine Ministerin war schlicht und einfach unqualifiziert“, rechnet der Wiener Wirtschaftspsychologe Othmar Hill von der Personalberatung Hill International vor, „solche Leute könnte man problemlos vorher filtern.“ Er würde überhaupt nur drei oder vier der derzeitigen Minister im Amt belassen – die anderen seien schlicht und ergreifend politische Fehlbesetzungen. Viele seiner Kollegen sind ähnlicher Meinung.

Die ausführliche Story mit den Benotungen der einzelnen Minister, sowie die vorgeschlagenen Ersatzjobs lesen Sie im neuen FORMAT.

12.8.2001 10:23