Langjähriger Presse-Herausgeber und -Chefredakteur

Der ehemalige Herausgeber und Chefredakteur der Tageszeitung "Die Presse", Otto Schulmeister (85), ist Freitag abend im Wilhelminenspital gestorben. Der am 1. April 1916 geborene Schulmeister hatte sich bereits die vergangenen Tage nach langem Leiden im Krankenhaus auf der Intensivstation befunden.
Otto Schulmeister galt als Doyen des österreichischen Journalismus. Er wurde auch als "Kassandra" bezeichnet, gleichzeitig auch als "Retter des Abendlands". Er verbrachte praktisch sein gesamtes Berufsleben in der "Presse", wo er 1953 stellvertretender Chefredakteur und dann 15 Jahre lang - von 1961 bis 1976 - Chefredakteur war. Von 1976 bis 1989 war er Herausgeber der "Presse".
Bis 1968 war Schulmeister auch Mitherausgeber der Zeitschrift "Wort und Wahrheit". Er leitete gemeinsam mit Otto Mauer die "Thomas-Morus-Presse" im Wiener Herder-Verlag, beides "eine intellektuelle Wechselwirkung, die zusammen mit christlichem Glauben und katholischem Engagement Journalismus nie als bloßen Broterwerb verstehen ließ".
Bei der Feier zu seinem 80. Geburtstag war Schulmeister von Bundespräsident Thomas Klestil als "kritischer Mahner" gerühmt worden, der immer darauf hingewiesen habe, dass die Demokratie nicht den Parteien überlassen werden dürfe. Von Nationalratspräsident Heinz Fischer (SPÖ) war Schulmeister als "Suchender und Wissender" gewürdigt worden, vor dessen Auffassungen er Respekt habe. Seine Arbeit sei "Beweis, dass Journalismus mit Ethos zu tun hat". Ex-Minister Franz Kreuzer erinnerte an viele Kontroversen mit Schulmeister in früheren TV-Diskussionen der Chefredakteure. "Ich bekomme jetzt noch hie und da Ratschläge, wie ich Schulmeister bei den Debatten in den Griff kriegen soll, als ob es die Sendung noch gäbe". Ex-Vizekanzler Erhard Busek (ÖVP) skizzierte Schulmeister als "immer Unzufriedenen", dem es gelungen sei, durch "Provokationen anzuregen".
Lob gab es auch von der Kirche. Wiens Weihbischof Helmut Krätzl dankte Schulmeister für "Jahrzehnte gegenseitiger Befruchtung". Schulmeister sei "mit brennender Liebe an der Kirche gehangen und leide an ihrem Erscheinungsbild". Schulmeister war auch Verfasser mehrerer Bücher. Um nur eines seiner bekanntesten zu nennen: "Ernstfall Österreich - Stichproben zur Lage der Republik". Schulmeister hatte das Studium der Staatswissenschaften und der Nationalökonomie absolviert, abgeschlossen mit Dr.rer.pol, Dipl.Volkswirt, und war seit 1940 verheiratet. Er war Vater von sechs Kindern.
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