Freitag, 10. August 2001

Sieben Soldaten bei Minenexplosion getötet

Heftige Kämpfe mit mehreren Toten auf beiden Seiten bedrohen das Friedensabkommen für Mazedonien. Vor der am Montag geplanten Unterzeichnung starben am Freitag mindestens sieben mazedonische Soldaten, als sie mit ihrem Lkw auf eine Mine auffuhren. Bei Kämpfen in der Nähe der Stadt Gostivar sollen elf albanische Extremisten getötet worden sein.

Ministerpräsident Ljubco Georgievski dementierte unterdessen ein Abrücken vom Friedensvertrag. Nachdem er zunächst erklärte hatte, er sei "überzeugt, dass Mazedonien stark genug ist, den Kampf für seine Verteidigung zu gewinnen", ließ er durch sein Büro erklären, er werde am Montag wie vereinbart das Abkommen unterzeichnen. "Damit wird die internationale Gemeinschaft auch ein klareres Bild darüber bekommen, wer für Frieden und wer für Krieg in Mazedonien steht", hieß es.

Georgievski wies außerdem Vorwürfe zurück, er habe Angriffe gegen albanische Zivilisten angeordnet. Nach der Ablösung von Generalstabschef Pande Petrovski betonte er, nicht die Bombardierung albanischer Dörfer oder anderer Siedlungen verlangt zu haben. "Ich habe nur eine aktivere Rolle der Armee bei der Verteidigung des Territoriums und der Souveränität Mazedoniens gefordert", sagte der Regierungschef.

Die mazedonische Außenministerin Ilinka Mitreva ersuchte in einem dramatischen Appell um internationale Hilfe. In dem Schreiben an UNO-Generalsekretär Kofi Annan, NATO-Generalsekretär George Robertson und den außenpolitischen Repräsentanten der EU, Javier Solana, forderte sie die internationale Gemeinschaft auf, Mazedonien beizustehen. "Mazedonien steht vor einem Bürgerkrieg", schrieb Mitreva. Die albanischen Rebellen versuchten, einen Teil des Lanes abzuspalten. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Mazedonien in Flammen aufgeht", erklärte sie.

Regierungssprecher Antonio Milososki sagte, selbst bei einer Unterzeichnung des Friedensabkommens am Montag gebe es wenig Hoffnung auf Frieden. "Wir haben dann auf dem Papier Frieden und auf dem Schlachtfeld Krieg." Auch der albanische Rebellenkommandant Sokoli äußerte sich skeptisch. Es gebe keine Veranlassung für die Kämpfer, die Waffenruhe einzuhalten, wenn Regierungstruppen Kampfhubschrauber und Artillerie einsetzten. "Die Lage verschlechtert sich, und wir sind zu allem bereit", fügte er hinzu.

Die Regierung intensivierte am Freitag ihre militärischen Anstrengungen, nachdem am Donnerstag bei einem Rebellenangriff zehn und am Freitag sieben Soldaten getötet wurden. Vier weitere Soldaten wurden verletzt, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Danach kam es in den Ortschaften Ljuboten und Ljubcani zu heftigen Schusswechseln und Gefechten zwischen albanischen Rebellen und der mazedonischen Armee. Zu Gefechten kam es auch um die Stadt Tetovo zwischen Kämpfern der Untergrundbewegung UCK und Soldaten der mazedonischen Regierung.

US-Vermittler James Pardew verurteilte die Angriffe der albanischen Untergrundkämpfer scharf und rief beide Seiten zur Einhaltung der Feuerpause auf. Der NATO-Vertreter in Skopje, Hansjörg Eiff, bezeichnete die Lage als ernst. "Dies ist eine kritische Phase für den Frieden in Mazedonien", sagte Eiff. Die NATO habe aber nur sehr begrenzte Möglichkeiten, eine Eskalation der Kämpfe zu verhindern. EU-Vermittler Francois Leotard meinte hingegen: "Ich gehe davon aus, dass der Friedensplan am Montag unterzeichnet wird".

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR äußerte sich besorgt über das Anhalten der Gewalt in Mazedonien. Dem Land drohe ein Bürgerkrieg, sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski. Am Mittwoch habe das UNHCR einen dringenden Appell zur Evakuierung von 40 älteren Mazedoniern aus Lesok, zwei Kilometer nordöstlich von Tetovo, erhalten, die zwischen die Fronten geraten seien.

10.8.2001 20:48