SPEZIAL: SELBSTMORDANSCHLAG IN JERUSALEM

·Jerusalem
Anschlag in Pizzeria fordert 16 Tote
·Jihad & Hamas
Terrorgruppen sorgen für Angst
Das Attentat in Jerusalem: Die Bilder, Info-Grafik
Israel übt Vergeltung für den Selbstmordanschlag in Jerusalem. Nach dem am Donnerstag bei dem verheerenden Bombenattentat 16 Menschen ums Leben gekommen sind, läßt Ministerpräsident Sharon nun Luftangriffe gegen Palästinenserziele fliegen. In Ost-Jerusalem werden PLO-Büros geschlossen.
Israel hat Freitag früh mit schweren Luftangriffen auf Ziele der palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland erwartungsgemäß Vergeltung für einen Selbstmordanschlag geübt, bei dem zwölf Stunden zuvor in Jerusalem 16 Menschen getötet und über 100 verletzt worden waren.
Grossoffensive gegen Palästinenserziele
Nach einer Stunden dauernden, zum Teil kontrovers geführten Kabinettssitzung ließ Ministerpräsident Ariel Sharon gegen 1.30 Uhr MESZ F-16 Kampfflugzeuge aufsteigen, um zahlreiche Gebäude in Ramallah und anderen Städten im Westjordanland anzugreifen. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Israelische Polizisten und Sicherheitskräfte schlossen zudem die Büros der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO.
Kampfhubschrauber beschossen Gebäude des palästinensischen Fernsehens und Rundfunks in Ramallah. Auf das palästinensische Polizeihauptquartier bei Ramallah feuerten die Kampfflugzeuge zwei Raketen. Das Gebäude sei in Flammen aufgegangen, berichteten Augenzeugen. Die Autonomiebehörde hatte die meisten öffentlichen Gebäude in den Autonomiegebieten bereits kurz nach dem Selbstmordanschlag am Donnerstagnachmittag räumen lassen. Israel hatte zuletzt am 18. Mai nach einem palästinensischen Selbstmordanschlag in der Küstenstadt Netanya palästinensische Ziele im Westjordanland mit F-16 Kampfflugzeugen angreifen lassen. Dabei waren mehrere Palästinenser getötet worden.
Schließung von PLO-Büros
Die Schließung der PLO-Büros in Ost-Jerusalem erfolge in Übereinstimmung mit den vor sieben Jahren geschlossenen Verträgen von Oslo, hieß es in einer Erklärung von Sicherheitsminister Usi Landau in der Früh. Die Polizei schließe nun das Büro der Palästinenser-Regierung im Orient-Haus sowie neun weitere Büros der Behörde in Ost-Jerusalem, sagte ein Polizeisprecher. Die Anweisung zur Schließung der Büros der Palästinenser-Regierung seien von politischer Ebene erfolgt, teilte die Polizei mit. Sieben Vertreter des Orient-Hauses seien zur Befragung abgeführt worden. Das Orient-Haus dient der Palästinenser-Regierung als Verwaltungssitz in Jerusalem. Bis 1967 war Jerusalem geteilt. Im Sechs-Tage-Krieg hat Israel die Stadt erobert und später annektiert. Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen Ost-Jerusalem als Hauptstadt ihres künftigen Staates.
Der palästinensische Abgeordnete Hatem Abdel-Kader sagte, die israelische Polizei habe das Gebäude durchsucht und zwei Wachmänner festgenommen. "Das ist eine sehr gefährliche Maßnahme. Wir werden diese Institutionen in Jerusalem verteidigen", sagte Abdel-Kader.
Israelische Soldaten stürmten zudem das Haus des Gouverneurs in der palästinensischen Stadt Abu Dis an der Ostgrenze Jerusalems. Zudem besetzten sie benachbarte Häuser, die als Kommando-Zentrale palästinensischer Sicherheitskräfte dienen sollen. Da die Palästinenser-Regierung ihre Sicherheitskräfte nutze, um Attentäter nach Israel zu schicken statt diese zu hindern, habe Israel sich entschieden diese Gebäude zu besetzen, teilte die Polizei mit. Israelische Panzer beschossen nach palästinensischen Angaben eine Polizeistation im Gaza-Streifen.
Die Attentäter: Hamas bekannte sich zu Anschlag
Zu dem Selbstmordanschlag auf eine Pizzeria im Westen Jerusalems bekannte sich die radikal-islamische Hamas-Organisation. Unter den Toten sind nach Krankenhausangaben auch sechs Kinder, ein US-Bürgerin, ein Brasilianer sowie fünf Mitglieder einer Familie. Palästinenser-Präsident Yasser Arafat verurteilte den Anschlag und rief Israel zu einer gemeinsamen Erklärung einer Waffenruhe auf. Das Attentat stieß auf scharfe internationale Kritik. US-Präsident George W. Bush sprach von einem "entsetzlichen Terroranschlag" und forderte von Arafat sofortige Schritte zur Festnahme der Verantwortlichen. UNO-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einem Terrorakt, der gegen Zivilisten gerichtet sei. Auch die EU, Russland, Ägypten und Kanada verurteilten den Anschlag.
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