Donnerstag, 9. August 2001

NEWS: Ferrero-Waldner im Schatten von Genua

Die Bilder der Ausschreitungen in Genua

Benita Ferrero-Waldner macht mit den in Genua inhaftierten "VolxTheater"-Mitgliedern ihre erste Krise durch. Ihre Präsidentschaftsambitionen scheinen dadurch aber nicht gefährdet.

Ihr sonst so professionelles Lächeln wirkt eingefroren. Die Causa Genua und die inhaftierten Österreicher lassen die Erfolgsverwöhnte nicht unberührt. Beschädigt die Gauklertruppe "VolxTheater" die bislang so makellose politische Karriere von Benita Ferrero-Waldner?

Von Regierungskollegen und Bundeskanzler faktisch allein gelassen, liegen die Nerven der Außenministerin erstmals in ihrer mittlerweile siebenjährigen Regierungskarriere blank. Besonders wegen des oppositionellen Vorwurfs, sie und die Bundesregierung ließen 16 in Italien verhaftete junge Österreicher im Stich. Ferrero-Waldner schließt im NEWS-Gespräch nicht aus, dass sie mit der "Genua-Affäre" als bei den Österreichern beliebteste Politikerin und mögliche ÖVP-Bundespräsidentschaftskandidatin 2004 ganz bewusst "beschädigt" werden sollte.

Mehrheit hält zu Ferrero. In dieser Hinsicht kann sich die Außenministerin beruhigen. Noch. Genua selbst hat sie nicht wirklich "beschädigt". Allerdings, in der Bundespräsidenten-Frage wird sie noch erheblich zulegen müssen, um die Hofburg in reale Griffweite zu bekommen: Laut jüngster telefonischer NEWS-Gallup-Umfrage findet knapp die Hälfte der Österreicher, nämlich 46 Prozent, dass sich Benita Ferrero-Waldner in der Frage der 16 inhaftierten Österreicher in Genua "richtig" verhalten hat. Immerhin 36 Prozent jedoch bewerten ihr Verhalten als "nicht richtig".

Hofburg-Ambitionen. Ihre Kandidaturchancen für die Nachfolge Klestils scheinen somit weiter intakt. Instinktiv wiegelt sie ab: Die Debatte zur Bundespräsidentenkandidatur 2004 sei "wirklich viel zu früh"; sich mit diesem Gedanken schon jetzt zu beschäftigen, "würde ich für absurd halten". Weniger absurd finden dies offenbar die Österreicher. Denn laut Gallup-Umfrage zu Beginn dieser Woche halten schon 42 Prozent der Bevölkerung Benita Ferrero-Waldner ganz grundsätzlich für "eine geeignete Bundespräsidentin", obwohl satte 52 Prozent der Bevölkerung darauf allerdings noch glatt "Nein" sagen.

Ferrero vor Klestil, Schüssel. Fazit: Der Sprung zur relativen Mehrheit scheint aufholbar. Gallup-Chef Karmasin: "Allerdings dürfen ihr solche Dinge wie Genua nicht mehr oft passieren." Ganz klar führt die Außenministerin immerhin nach wie vor in der grundsätzlichen Gunst der Österreicher. Laut Gallup kommt sie in der Meinung über Politiker bei der Bevölkerung auf die gute Durchschnittsnote von 2,62, knapp gefolgt vom amtierenden Bundespräsidenten Thomas Klestil mit 2,74 und weit vor Bundeskanzler Wolfgang Schüssel mit nur mäßigen 3,20 Durchschnittsnote.

Ein ausführliches Interview und mehr zu diesem Thema finden Sie im aktuellen NEWS.

9.8.2001 08:41