Mittwoch, 8. August 2001

Nur 7% sind für schnellen Beitritt der Ostländer

Die jüngste Umfrage zum Thema EU-Osterweiterung attestiert den Österreichern eine ablehnende Haltung. Eine relative Mehrheit der Bevölkerung - konkret 42 Prozent - spricht sich gegen eine Erweiterung aus. Diese weitgehend skeptische Haltung hat sich nach Auskunft der Meinungsforscher im Langzeittrend wenig verändert.

Nur sieben Prozent sind für einen raschen Beitritt der Ostländer. Das ist das am Mittwoch veröffentlichte Ergebnis einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes "Spectra".

Bei der Umfrage wurde die Meinung von 1.000 für die Gesamtbevölkerung repräsentativ ausgewählten Personen erhoben. Die Frage, ob die Osterweiterung grundsätzlich angestrebt werden sollte, beantworteten 42 Prozent mit Nein. Im Oktober des Vorjahres waren es 45 Prozent gewesen. Für eine Erweiterung waren jetzt 30 Prozent, im Vorjahr 32 Prozent. Der Anteil der Personen, die dazu keine Meinung hatten, stieg von 23 auf nunmehr 28 Prozent.

Bei der Nachfrage, ob Länder wie Ungarn, Tschechien, Slowenien oder Polen in den nächsten Jahren rasch oder eher langsam aufgenommen werden sollten, plädierten 37 Prozent für "langsam". 38 Prozent der Österreicher waren der Meinung, keines der Länder sollte in die EU aufgenommen werden. Für einen raschen Beitritt waren nur sieben Prozent.

Zahl der EU-Gegner gesunken
Zwiespältig ist die Einstellung der Österreicher zur EU insgesamt: Rund ein Drittel bezeichnete bei der jüngsten Umfrage die Entscheidung zum Beitritt als "richtig", ebensoviele als "falsch", womit der Anteil der EU-Gegner nach Aufhebung der Sanktionen wieder kleiner geworden ist, denn im Mai des Vorjahres hatte er noch 42 Prozent betragen. Die Zahl der Befürworter ist deswegen aber nicht gestiegen, lediglich jene der Unschlüssigen.

Jeder Dritte sieht im Beitritt mehr Nachteile als Vorteile
Nach wie vor kritisch sind die Österreicher, was den Nutzen des EU-Beitritts betrifft: Eine relative Mehrheit von 34 Prozent sieht mehr Nachteile als Vorteile, nur 16 Prozent haben den Eindruck, dass die Vorteile überwiegen. Für 36 Prozent halten sich Vorteile und Nachteile die Waage.

44% wollen dennoch in der EU bleiben
Da überrascht es, dass dennoch 44 Prozent den Verbleib in der EU befürworten und "nur" 27 Prozent für einen Austritt plädieren. "Viele Österreicher sind nicht gerade glücklich über die EU-Zugehörigkeit, aber dann doch nicht so unglücklich, dass die Mehrheit die Verabschiedung aus der Staatengemeinschaft wünscht", interpretieren die Meinungsforscher die scheinbar widersprüchlichen Ergebnisse. So sei auch das Umfrageergebnis, dass 29 Prozent zur Verbleib- beziehungsweise Austrittsfrage keine Stellung bezogen, als Ausdruck einer ambivalenten Haltung zu verstehen.

8.8.2001 10:59