Mittwoch, 8. August 2001

Kein Kontakt zu Verhafteten

Australische Diplomaten wollen sich mit Vertretern des Taliban-Regimes in Pakistan treffen, um die Freilassung der inhaftierten Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now International" zu erreichen. Unter den am Wochenende in Kabul Festgenommenen sind neben zwei Australiern auch vier Deutsche, zwei US-Amerikaner und 16 Afghanen. Die Religionspolizei der Taliban wirft ihnen vor, sie hätten versucht, Afghanen zum Christentum zu bekehren.

Aus dem australischen Außenministerium in Canberra verlautete, Australien, Deutschland und die USA hofften, afghanischen Vertretern in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ein gemeinsames Schreiben übergeben zu können. Australiens Außenminister Alexander Downer bezeichnete die beiden australischen Helfer Peter Bunch und Diana Thomas als "hart arbeitende und wohlmeinende Menschen".

Die in Deutschland ansässige Hilfsorganisation "Shelter Now" hat nach Angaben ihres Sprechers in der pakistanischen Stadt Peschawar, Esteban Witzemann, keinen Kontakt zu den vier festgenommenen deutschen Helfern der Organisation. Im ARD-Fernsehen sagte Witzemann am Dienstagabend, das Taliban-Regime habe jeden Kontakt zu dem aus Bayern stammenden Projektleiter Georg Taubmann und drei aus Niedersachsen kommenden Helferinnen unterbunden.

Der Leiter von "Shelter Germany", Joachim Jäger, schloss in den ARD-Spätnachrichten am Telefon kategorisch aus, dass die vier versucht hätten, Afghanen vom Islam zum Christentum zu bekehren. Der stellvertretende Chef der Religions- und Sittenpolizei der Taliban, Mohammad Salim Haqqani, hatte zuvor gesagt, die festgenommenen Deutschen und die anderen Ausländer sollten nach dem islamischen Scharia-Recht abgeurteilt werden. Er warf ihnen vor, "den Islam und die afghanischen Traditionen schwer beleidigt" und christliche Mission betrieben zu haben. Haqqani ließ aber offen, welche Strafe die Mitarbeiter der Hilfsorganisation zu befürchten haben.

8.8.2001 16:09