Mittwoch, 8. August 2001

Grüne fordern Regierung zum Protest auf

Schrott-Reaktor Temelin: Umfrage und Diskussionsforum

Ende der Woche geht der Pannen-Reaktor Temelin wieder in Betrieb. Bereits Anfang nächster Woche soll die Turbine zur Stromversorgung angeschlossen werden. Heftige Proteste der Atomkraft-Gegner begleiten das südböhmische Milliarden-Projekt.

Das Atomkraftwerk Temelin soll Ende dieser Woche wieder gestartet werden, teilte Temelin-Direktor Frantisek Hezoucky am Dienstag Mittag auf einer Pressekonferenz in Temelin mit.

Die Geschäftsführung Temelins sagte weiter, die Reparaturen an der Turbine seien abgeschlossen und hätten 40 Mill. Kronen (1,179 Mill. Euro/16,2 Mill. S) gekostet.

Glawischnig: Regierung muss protestieren und Ausstiegsangebot forcieren
Kurz vor dem geplanten Neustart des Probebetriebes des umstrittenen tschechischen Atomkraftwerkes Temelin haben auch Österreichs Grüne neuerlich diese Pläne kritisiert. "Angesichts der in den letzten Tagen erneut bestätigten gravierenden Sicherheitsmängel ist die bevorstehende Wiederaufnahme der Tests in Temelin ein verantwortungsloser Akt", erkläre Eva Glawischnig, Umweltsprecherin der Grünen, laut Aussendung vom Dienstag.

"Zumindest vier der 29 im EU-Sicherheitsbericht festgehaltenen offenen Punkte sind derart gravierend, dass der Reaktor nach EU-Standards nicht mit Brennelementen beladen hätte werden dürfen", wird Glawischnig zitiert. "Ich erwarte mir von der österreichischen Bundesregierung einen klaren Protest gegen die neuerliche Aktivierung des AKW." Die Umweltsprecherin verlangte demnach erneut einen offiziellen österreichischen Stilllegungsappell, gekoppelt mit einem "ernstzunehmenden Ausstiegsangebot unter Einbeziehung der EU". "Die Bundesregierung könnte sich längst mitten in konstruktiven Ausstiegsverhandlungen befinden, Schüssel und Molterer haben aber die drei Monate, während denen der Reaktor stillgelegt war, fahrlässig verschlafen", argumentierte Glawischnig.

Darüber hinaus verlangten die Grünen von den Temelin-Betreibern volle Transparenz über die Wirtschaftlichkeit des AKW. "Die tschechische Bevölkerung hat ein Recht darauf, darüber informiert zu werden, wie hoch sie mit der 'Altlast Temelin' nach einem EU-Beitritt finanziell belastet wird." Nach Meinung der Grünen wird die Stromproduktion aus Temelin in einem liberalisierten Strommarkt ein "riesiges Verlustgeschäft". Bereits jetzt muss Tschechien Strom zu Dumpingpreisen exportieren, sagte Glawischnig.

8.8.2001 15:16