Ministerin will Vorschlag "ernsthaft prüfen"

Bessere Ausbildung für Lehrlinge, aber zehn statt bisher neun Jahren Schule: Der Vorschlag von Christoph Leitl stieß auf offene Ohren. Jetzt will Bildungsminsterin Elisabeth Gehrer (V) die Einführung der "mittleren Reife" in Österreich nach deutschem Vorbild "ernsthaft prüfen". Sie setzt ab Herbst eine Arbeitsgruppe ein.
Polytechnikum und Berufsschule könnten demnach in einer zweistufigen Ausbildung zusammengeführt werden und mit der mittleren Reife abschließen.
"Die mittlere Reife ist wirklich überlegenswert, weil sie eine sinnvolle Weiterentwicklung des Polytechnikums darstellen würde", sagte Gehrer in einem Zeitungsinterview. Die Bildungsministerin will damit Polytechnikum und Lehre aufwerten. "Österreich wird vom Ausland um diese Berufsausbildung beneidet." Nach der mittleren Reife könnten die Jugendlichen ihre Lehre praxisorientiert vertiefen oder in eine berufsbildende höhere Schule übertreten.
Der Vorschlag kam von Wirtschaftskammer-Chef Leitl
Er will die "Polytechnische Schule" in ihrer derzeitigen Form abschaffen. Die Fächer dieses Schultyps sollen mit jenen der Berufsschule in eine neue Ausbildung der 14- bis 16-Jährigen einfließen. Schul-Abschluss wäre dann gemäß deutschem Vorbild eine "mittlere Reife". Für die 16- bis 18-Jährigen sollte danach eine "intensive, praxisorientierte Lehre" anschließen.
Leitl sieht das Polytechnikum "zumindest im städtischen Bereich abgewirtschaftet - wie im Übrigen auch die Hauptschule". Daher solle ein neues System etabliert werden, das einen klassischen Lehrabschluss, eben die mittlere Reife, ermögliche. Anschließend stünde eine praxisorientierte Lehre. Gleichzeitig sollte aber auch mittels "Zusatzmodulen" die Möglichkeit zum Übertritt in die Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) geschaffen werden. Damit könne auch der Zugang zu den Fachhochschulen geöffnet werden.
Mit "mittlerer Reife" EDV- und Sprachenkenntnisse aufpolieren
Laut Leitl könnte man mit so auch den Klagen der Betriebe über mangelnde Kenntnisse in den Grundtechniken sowie in EDV und Sprachen begegnen. Derzeit leide die Lehre unter der Abwertung durch die Sozialpsychologie: "Diejenigen Eltern, die etwas auf sich halten, geben die Kinder, unabhängig von der Begabung, in die AHS - weil dort im Gegensatz zur Lehre angeblich die G'scheiteren sind". Von dieser Unterscheidung müsse man endlich wegkommen, verlangte Leitl.
Im Jahr 1999/2000 gab es in Österreich 322 Polytechnische Schulen mit 20.050 Schülerinnen und Schülern. Der einjährige Schultyp für die 9. Schulstufe wird vor allem von Jugendlichen genützt, die gleich nach der allgemeinen Schulpflicht einen Beruf ergreifen wollen. Neben allgemeinen Pflichtgegenständen gibt es berufsorientierte Wahlpflichtfächer.
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