Montag, 6. August 2001

Soldaten warteten Gefechtsköpfe

Deutsche Bundeswehrsoldaten sind angeblich über Jahre der radioaktiven Strahlung von US-Atomraketen ausgesetzt gewesen. Wie der ehemalige Bundeswehr-Strahlenschutzbeauftragte Franz Sauer berichtet, waren die Soldaten beauftragt, die nuklearen Gefechtsköpfe der US-Flugabwehrrakte Nike Herkules zu warten.

Wie das Magazin "Report" aus Mainz am Montag unter Berufung auf den ehemaligen Bundeswehr-Strahlenschutzbeauftragten Franz Sauer berichtete, hat dieser 1980 die Strahlung an Atomraketen in einer Nike-Batterie in Holzwickede-Opherdicke selbst gemessen. Dafür ist er von einem Truppendienstgericht zu 21 Tagen Disziplinararrest auf Bewährung verurteilt worden. Der Kommandeur des Flugabwehrraketenbataillons 21 hat ihn "zum Stillschweigen verdonnert". Während US-Spezialisten die Halle mit den Atomsprengköpfen nie länger als eine Stunde betreten hatten, verbrachten Bundeswehrsoldaten dort bis zu sechs Stunden täglich.

Viele der betroffenen Techniker sind an Krebs erkrankt
Laut "Report" sind viele der betroffenen Techniker mittlerweile an Krebs erkrankt. Auf eine Anfrage des Magazins antwortete ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums: "Nach unserer Kenntnis war Bundeswehrpersonal nie an der Wartung oder Instandsetzung dieser Waffen beteiligt". Nach Angaben von "Report" lagerten bis 1986 in Deutschland 1.200 Nike-Atomsprengköpfe in 52 Batterien.

6.8.2001 14:30