Dienstag, 7. August 2001

Bundesanwalt soll FBI fit für die Zukunft machen

Pleiten, Pech und Pannen brachte dem FBI in letzter Zeit miese Presse: Gestohlene Computer und Waffen, vergessene Prozess-Unterlagen im Fall des Oklahoma-Bombers, ein hochkarätiger Maulwurf in den eigenen Reihen und und und. Jetzt soll der neue Boss das Image korrigieren. Sein Name: Robert S. Mueller III. Er tritt das schwere Erbe von Mr. Louis Freeh an.

Dem berühmten "Federal Bureau of Investigation" steht künftig ein kalifornischer Bundesanwalt vor. Robert S. Mueller hat eine schwere Aufgabe vor sich, wenn er Louis Freeh nach acht Jahren nachfolgt. Am Ex-FBI-Boss Freeh bleiben jetzt alle Versäumnisse hängen. Mueller wird dafür mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Jetzt muss er den Anforderungen aus Politik und Öffentlichkeit noch gerecht werden. Im Anhörungsverfahren vor dem Senat bezeichnete Mueller es als höchste Priorität, "das Vertrauen des amerikanischen Volkes in das FBI wiederherzustellen". Mehr Effizienz, ein besseres Management und verbesserte Technologien sollen den Umschwung bringen.

Der US-Kongress, der wegen der Pannenserie mehrere Untersuchungen eingeleitet hatte, wird dem neuen Boss genau auf die Finger sehen. Das FBI mit seinen 11.000 Spezialagenten ist kostspielig: Jährlich belastet es das Budget mit 56,3 MIlliarden S (4,09 Mrd. Euro/3,6 Mrd. Dollar).

Die peinlichsten Pannen

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Beim Versuch, 1992 in Ruby Ridge einen Separatisten festzunehmen, gab es Tote. Ein FBI-Scharfschütze erschoss die unbewaffnete Frau des Separatisten. Bei der späteren Untersuchung wurde versucht, Fehler zu vertuschen.

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In Waco endete 1993 die 51-tägige Belagerung eines Sektenanwesens in einem Flammeninferno. Anfangs ging man von einem Massenselbstmord der Sektierer aus, heute heißt es, dass das FBI brennbares Betäubungsgas ins Anwesen eingeleitet hat. Ermittlungsbeamte beklagten sich über die Behinderung der Untersuchungen.

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Ein Unschuldiger wurde nach dem Bombenanschlag bei den Olympischen Spielen 1996 öffentlich als Hauptverdächtiger genannt.

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Der Absturz eines TWA-Flugzeugs 1999 wurde lange nicht auf einen mechanischen Fehler zurück geführt, weil das FBI sich von seinem Terrorverdacht nicht abbringen ließ.

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Nach der Verfolgung eines mutmaßlichen Spions für China im US-Nuklearlabor Los Alamos im Jahr 2000 musste sich das FBI bei dem Verdächtigten entschuldigen.

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Der Maulwurf: Robert P. Hanssen spionierte innerhalb des FBI 15 Jahre lang unentdeckt für Moskau.

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Bei der Gerichtsverhandlung im Fall des Oklahoma-Attentäters Timothy McVeigh wurden über 4.000 Seiten Ermittlungsakten "versehentlich" nicht an die McVeigh-Anwälte weitergegeben.

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450 Waffen, darunter Maschinenpistolen, vermisste das FBI nach einer Inventur im Juli. 265 Stück sind als verloren gemeldet, der Rest wurde gestohlen.

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Bei derselben Inventur wurde der Verlust von 184 tragbaren Computern bemerkt, auf denen teilweise vertrauliche Daten gespeichert waren!


Große Erwartungen
Bei Außeneinsätzen verfügt die Bundespolizei zwar über modernste technologische Geräte, beim Tagesgeschäft ist sie aber nicht für die Zukunft gerüstet. 60 Prozent der in FBI-Büros verwendeten Computer sind vier bis acht Jahre alt. Das Archiv besteht auch bei jüngeren Fällen - wie dem Oklahoma-Attentat - hauptsächlich aus Papier.

7.8.2001 07:31