Freitag, 3. August 2001

SPEZIAL: LA-WM 2001

Abstimmen: Holt Steffi Graf in Kanada Gold?

Insgesamt sechs Entscheidungen stehen am ersten Wochenende der VIII. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton auf dem Programm. Der absolute Höhepunkt ist dabei das 100-m-Finale der Männer am Sonntag (Ortszeit/Montag, 01.35 MESZ).

In diesem Rennen peilt Maurice Greene den Hattrick an, mit dem er den Rekord seines US-Landsmannes Carl Lewis, der ebenfalls - allerdings damals noch im Vierjahres-Rhythmus (1983, 1987, 1991) - drei Mal in Serie 100-m-Champion wurde, egalisieren würde.

"Ich will als größter Sprinter aller Zeiten in die Geschichte eingehen", betont Greene. In puncto Zeit hat der Olympiasieger diesen Status bereits erreicht: 1999 lief er am 16. Juni in Athen mit 9,79 Sekunden Weltrekord, etwas mehr als zwei Monate später verteidigte er in Sevilla mit WM-Rekord von 9,80 seinen 100-m-Titel von Athen 1997 erfolgreich - Zeiten, die bisher kein Sprinter bei regulären Bedingungen und ohne Dopingmissbrauch erzielt hat.

Carl Lewis ist der Größte
Trotzdem sieht sich der 27-Jährige noch nicht als bester Sprinter aller Zeiten. "Carl Lewis ist für mich der Größte. Er hat unglaublich viel für die gesamte Leichtathletik geleistet", erklärt Greene, der heuer noch ungeschlagen und trotz seiner Sehnenentzündung im linken Knie - "Die ersten Schritte sind immer wie Nadelstiche" - insgesamt sechs Mal unter 10,0 Sekunden geblieben ist, vier Mal davon sogar bei Gegenwind.

US-Meister als Herausforderer
Die schnellste Zeit im WM-Vorfeld erzielte aber ein anderer: US-Meister Tim Montgomery. Der 26-Jährige raste am 13. Juli in Oslo bei perfektem Rückenwind von 2,0 Metern pro Sekunde in 9,84 über die Bahn, obwohl er mit viel zu engen Ersatzschuhen laufen musste, nachdem sein Gepäck ausgerechnet am Freitag, dem 13. verloren gegangen war. Auch Greenes Trainingskollege Ato Boldon, der in diesem Rennen in 9,88 Zweiter wurde, war im Jahr 2001 schneller als der "Kansas-Cannonball", der in Eugene und Lausanne jeweils in 9,90 über den roten Kunststoffbelag "flog".

Montgomery geizt nicht mit Sprüchen
Doch während sich Boldon vor und in Edmonton mit großen Sprüchen zurückhielt, stimmte Montgomery in Alberta ein Ballyhoo an, das Erinnerungen an den legendären Boxchampion Muhammad Ali wach rief. "Bei dieser WM kommt es zum größten Showdown der Sprintgeschichte. Das wird besser als Carl Lewis gegen Ben Johnson", tönte der 26-Jährige und setzte sogar noch einen drauf: "Ich weiß, dass ich Maurice schlagen werde."

Greene fühlt sich stark genug
"PhenoMonon" Greene, der erst nach dem 100-m-Finale entscheidet, ob er auch über 200 m antreten wird, lässt sich davon aber ebenso wenig einschüchtern wie von Montgomerys 9,84er-Zeit, der drittschnellsten Marke der Geschichte. "Ich will seine Leistung nicht schmälern, aber das Rennen in Oslo hat nur gezeigt, was Tim bei perfekten Windbedingungen erreichen kann. Ohne diese Unterstützung wäre er im besten Fall nur 9,95 gelaufen. Außerdem konzentriere ich mich immer auf mein eigenes Rennen und nicht auf die Gegner. Und ich weiß, dass ich stark genug bin, hier zu gewinnen."

Donovan Bailey nimmt Abschied
Angesichts des großen US-Duells wird der Abschied von Lokalmatador Donovan Bailey eher still und leise ausfallen. Der 33-jährige Weltmeister von 1995 und Olympiasieger 1996, der bis zum Meeting in Athen 1999 fast drei Jahre lang mit 9,84 den Weltrekord gehalten hatte, bestreitet in Edmonton seinen letzten Wettkampf. Und dieser Abschied wird für den Kanadier in doppelter Hinsicht schmerzvoll, da ihm derzeit eine Verletzung im linken Knie arge Probleme bereitet.

Jegorowa von WM ausgeschlossen
Die IAAF hat entschieden, Olga Jegorowa von der WM auzuschließen, obwohl das Ergebnis der B-Probe noch nicht vorliegt. Dies gab IAAF-Sprecher Giorgio Reineri am Donnerstag bekannt. "Es gab technische Probleme. Wir müssen die B-Probe wiederholen, wissen aber nicht, wann wir das Ergebnis haben", erklärte Reineri. Die IAAF kann einen Athleten auch ohne dem Vorliegen einer Gegenprobe von einem Wettkampf zurückziehen.

Die 29-jährige Jegorowa war beim Golden League-Meeting in der Seine-Metropole positiv auf das Blutdoping-Mittel Erythropoietin (EPO) getestet worden. Für den Fall eines WM-Starts der Russin hatte die rumänische 5000-m-Olympiasiegerin Gabriela Szabo mit einem Boykott gedroht

3.8.2001 17:41
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