Michael Herbig: "Winnetou war der Grösste!"

"Der Schuh des Manitu": Die besten Szenen
Der Macher und Star aus "Der Schuh des Manitu" über seinen Überraschungscoup. Er hat Hollywood das Fürchten gelehrt – und bewiesen, dass man keine Milliardenbudgets braucht, um Millionen ins Kino zu locken. TV-MEDIA traf „Bully“ Herbig zum Interview.
TV•MEDIA: Wie geht es einem, der die Milliarden-Blockbuster aus Hollywood versenkt hat?
Herbig: Ich bin völlig fertig, laufe herum wie ein aufgescheuchtes Huhn: 191.000 Besucher in Österreich, In Deutschland 200.000 allein am ersten Tag, was der beste Start eines deutschen Films ist – ich kann’s noch immer nicht fassen.
TV•MEDIA: Welchen Nerv glauben Sie mit diesem Film bei den Menschen getroffen zu haben?
Herbig: Ich habe nicht in Zielgruppen gedacht, sondern einfach einen Film gemacht, den ich selbst gerne hätte sehen wollen: eine Komödie, aus der ich mit einem Grinsen im Gesicht wieder rausgehe und mir denke, das waren jetzt witzige eineinhalb Stunden.
TV•MEDIA: Sie haben zehn Drehbuchfassungen gebraucht ...
Herbig: Das ist im Laufe der drei Jahre, die wir an dem Projekt gearbeitet haben, wohl völlig normal. Und es ist am Ende auch einiges rausgefallen, das sieht man an den Outtakes am Schluss. Den kompletten Film gibt’s dann auf der DVD im Director’s Cut.
TV•MEDIA: Stichwort Winnetou: Man kann wohl nur etwas wirklich gut parodieren, das man sehr mag …
Herbig: Absolut. In meiner Kindheit gab’s nur drei Fernsehprogramme, und da war ein Winnetou- Film totales Highlight. Und dieses Genre fasziniert, egal ob man 50 ist und die Filme noch im Kino gesehen hat oder 15 und die Dinger nur aus dem Fernsehen kenn. So gesehen frage ich mich immer öfter, warum es fast 40 Jahre gedauert hat, bis einer auf die Idee gekommen ist, das zu parodieren – die Sache lag eigentlich für jedermann sichtbar da.
TV•MEDIA:Herbig: Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Wir parodieren eine ganz bestimmte Art Schwule, wie sie, glaube ich, nur bei uns in München vorkommen, und die finden das grandios. Wir sind schon einige Male von Gay-Szenemagazinen interviewt worden. Für die sind wir richtige Heroes.
TV•MEDIA: Wie leicht war es, diesen Film zu realisieren?
Herbig: Ich habe mir eine alte Förderungsablehnung herausgesucht: Thema interessiert keinen, zu platte Gags, keine Zielgruppen. Einige waren der Meinung, das kann man auch im Bayerischen Wald drehen, und damit kostet’s nur die Hälfte der neun Millionen Mark. Aber mir war immer klar: Wenn das Originalambiente nicht stimmt, die Ausstattung, die Cinemascope- Weite und vor allem die Musik – dann mache ich diesen Film erst gar nicht.

