Samstag, 4. August 2001

Uneinigkeit über weiteren Kurs

Mautner Markhof, einst Inbegriff für Macht und Reichtum, befindet sich in Turbulenzen. Jetzt werden Teile des Familiensilbers veräußert, um im Kerngeschäft Essig und Senf eigenständig zu bleiben. Die Uhr tickt – binnen Jahresfrist muß die Trendwende gelingen.

Der Mautner-Markhof-Konzern mit seinem Kerngeschäft der Essig- und Senferzeugung befindet sich in einer höchst kritischen Situation. Bei nur noch knapp einer Milliarde Schilling Umsatz wurden im Vorjahr 25 Millionen Verlust erwirtschaftet. Allein das Debakel bei der Ungarntochter bescherte der Gruppe 250 Millionen Schilling Miese. In Polen spielt sich ein ähnliches Drama ab. Und die Talfahrt geht munter weiter.

Verkauf der kompletten Hefesparte
Für eine erfolgversprechende Internationalisierung fehlt das Geld. Binnen Jahresfrist müssen liquide Mittel in die Kasse, ansonsten droht dem einstigen Paradebetrieb das gleiche Schicksal wie etlichen anderen Familienunternehmen, die jüngst in die Krise schlitterten. Erste Notmaßnahmen: Die Hefeproduktion wird sicher verkauft, vielleicht müssen auch die Immobilien der Konzernzentrale in Wien-Simmering verscherbelt werden. Doch unter den Eigentümern herrscht Orientierungslosigkeit. Während die einen rasch Geld sehen wollen, hoffen die anderen zu retten, was noch zu retten ist. Die Hauptversammlung am 16. August verspricht jedenfalls turbulent zu werden, wenn die Führung den Kleinaktionären Rede und Antwort stehen muß.

Rücktritt von Marcus nicht akzeptiert
Hinter den Kulissen spitzt sich die Lage dramatisch zu. Vorstandsvorsitzender Marcus Mautner Markhof, 46, hat Familieninsidern zufolge bereits den Rücktritt angeboten. Sein Vater und Seniorchef Georg, der über achtzig Prozent der Stimmrechte verfügt, lehnt das jedoch strikt ab. Marcus, der sich über die Vorgänge rund um seine Person bedeckt hält, ist sich der unternehmerischen Schieflage aber durchaus bewußt: „Das vergangene Jahr war enttäuschend. Wir wissen um die Probleme und überlegen verschiedene Zukunftsvarianten.“

Manfred Leo Mautner Markhof, 49, bleibt skeptisch: „Ich wünsche meinem Cousin Marcus alles Gute. Ich selbst stehe sicher nicht mehr als Konzernchef zur Verfügung. Aber ich würde gern wieder einmal Dividenden sehen.“ Der nunmehrige Geschäftsführer der Baumarktkette Obi plädierte immer dafür, die Gruppe in einzelne Teile zu zerlegen und dafür Partner zu suchen. Diese Meinung hat er bis heute nicht geändert.

Der Mythos vom mächtigen Mautner Markhof Clan verblasst
Der Name Mautner Markhof ist wie Meinl, Swarovski oder Mayr-Melnhof für viele Österreicher noch immer gleichbedeutend mit Reichtum, Macht und Luxus. Fast tausend Mitglieder zählt die weitverzweigte Dynastie. Noch ist die Trademark Mautner Markhof durch Produkte wie Kremser Senf oder Hesperiden Essig landesweit bekannt. Doch durch die anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten beginnt der Mythos zu verblassen. Da hilft auch nicht, daß sich Georg Mautner Markhof kürzlich äußerst gelassen gab: „Unsere Firmengeschichte reicht bis 1690 zurück. Da denkt man in anderen Dimensionen“

Mehr schweren Krise im Hause Mautner Markhof lesen Sie im aktuellen FORMAT!

4.8.2001 15:08