Dienstag, 31. Juli 2001

Minus wegen weltweiter Konjunkturschwäche

Die weltweite Konjunturschwäche und ihre Auswirkungen: Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird sich Analysten zufolge in diesem Jahr mit 1,5 Prozent spürbar verlangsamen. Im kommenden Jahr werde das BIP-Wachstum jedoch mit 2,3 Prozent wieder deutlich an Fahrt gewinnen.

Ende April hatten die Experten noch mit einem BIP-Wachstum von 2,1 Prozent für 2001 und 2,5 Prozent für 2002 gerechnet. Im ersten Quartal 2001 hat sich der BIP-Zuwachs jedoch auf saisonbereinigt plus 2,0 Prozent abgeschwächt. In den vergangenen Wochen hatten die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für 2001 auf 1,0 bis 1,7 Prozent deutlich nach unten korrigiert. In ihrer gemeinsamen Frühjahrsprognose erwarteten sie noch 2,1 Prozent.

Bei der Preisentwicklung erwarten die Volkswirte nun eine deutlich höhere Inflation. Im Median prognostizierten sie nun in diesem Jahr eine Teuerungsrate von 2,7 Prozent nach einer Vorhersage von 2,3 Prozent in der April-Umfrage. Der Rückgang der Preise für Kraftstoffe und Nahrungsmittel sowie statistische Basiseffekte sorgen aber nach Einschätzung der Volkswirte für allmähliche nachlassende Inflation. Für das kommende Jahr prognostizierten sie deshalb im Median eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent.

Im Jahresdurchschnitt 2000 hatte die Inflationsrate nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1,9 Prozent betragen. Im Mai hatte die Teuerungsrate hier zu Lande mit 3,5 Prozent den höchsten Stand seit siebeneinhalb Jahren erreicht, verlangsamte sich danach aber wieder und lag im Juli nach ersten Schätzungen mit 2,7 Prozent wieder unter drei Prozent. Vor allem hohe Kraftstoffpreise und teure Nahrungsmittel in Folge der Tierseuchen hatten die Verbraucherpreise in die Höhe getrieben.

Auch die Prognosen zur Arbeitslosigkeit haben die Volkswirte angehoben. Ausgehend von einer schwächeren Konjunktur erwarten die Experten eine saisonbereinigte Arbeitslosenquote von 9,3 Prozent in 2001 nach durchschnittlich 9,6 Prozent im Vorjahr. Für das kommende Jahr rechnen sie dann mit einem Rückgang auf 9,0 Prozent. Vor drei Monaten hatten sie noch eine Quote von 9,1 in diesem und von 8,6 im kommenden Jahr vorhergesagt.

Die Industrieproduktion wird sich den Analysten zufolge in diesem Jahr deutlich abschwächen und 2002 wieder an Schwung gewinnen. Für das Gesamtjahr 2001 erwarten die Befragten im Median einen Anstieg um nur 0,4 Prozent, für 2002 um 2,3 Prozent. Die Schätzungen wurden damit für 2001 spürbar nach unten revidiert. Ende April wurde noch ein Anstieg um 3,3 Prozent für 2001 und um 3,1 Prozent für 2002 erwartet. Im dritten Quartal dieses Jahres sehen die Analysten mit minus 1,5 Prozent den Tiefpunkt beim Produktionsausstoß erreicht. Im Mai war die Industrieproduktion um 1,8 Prozent zum Vorjahresmonat gesunken.

Einen deutlichen Rückgang der Zuwachsraten sagten die Experten für den deutschen Außenhandel voraus. Die deutschen Ausfuhren erhöhen sich 2001 demnach nur noch um 5,3 Prozent statt der im April noch genannten 8,4 Prozent, beschleunigen sich aber 2002 mit der erwarteten Konjunkturerholung auf 5,8 Prozent. Im vierten Quartal 2001 sehen die Analysten mit 1,3 Prozent nach wie vor den Tiefpunkt des Exportwachstums erreicht. Bei den Einfuhren erwarten die Experten für dieses Jahr im Median eine Wachstumsrate von 4,2 Prozent und 2002 einen Anstieg von 5,0 Prozent.

31.7.2001 11:46