Mittwoch, 1. August 2001

Knieprobleme beim "Herminator"

Fünf Tage Training im ÖSV-Olympiastützpunkt Obertauern, einen Tag Termine mit Sponsoren, einen Tag frei. Das Leben des dreifachen Gesamt-Weltcupsiegers Hermann Maier ist auch im Sommer zur Genüge ausgefüllt. Am Freitag geht es für ihn wieder nach Übersee zum Ski fahren.

Und auch, wenn sich der "Herminator" bei strahlend blauem Himmel und 30 Grad nicht wirklich nach Skiern sehnt, Fans müssen nicht befürchten, dass er die Lust nicht mehr finden könnte.

Noch kein Verlagen, Ski zu fahren
Immerhin wartet eine Olympia-Saison und das Training in Portillo ist der erste "Schnee-Schritt" dorthin. Denn ansonsten ist Maier seit dem Weltcup-Finale erst zwei Tage auf den Brettern gestanden. Trotz der langen Pause - die Lust auf Schnee hat ihn noch nicht gepackt. "Ich hatte noch kein Verlangen danach, Ski zu fahren, es war mir fast noch immer zu früh." Stangen sind bei den ersten "Gehversuchen" überhaupt tabu: "Da wäre ich ohnehin nicht durchgekommen."

Bisher gab es nur Trockentraining. Allerdings mit einem Manko, denn das linke Knie des "Herminators" ist nach wie vor nicht in Bestform. "Begonnen hat alles bei meinem Sturz in Garmisch im Jänner, da muss was passiert sein. Und in Jamaika bin ich dann beim Jet-Ski fahren genau wieder auf den gleichen Fleck gefallen. Jetzt ist bei der Kniescheibe ein Knochen abgesplittert, da führt genau eine Sehne drüber - und die ist natürlich immer gereizt." Maier wurde in seinem Trainingseifer gebremst, doch Obertauern-Chef Heini Bergmüller, nach seinem Achillessehnenriss nach wie vor in Gips, ist trotzdem zufrieden. "Er hat wieder ein bisschen Kraft zugelegt und sonst sind die Werte auch nicht schlechter als Vorjahr."

In manchen Bereichen bin ich sicher schon ausgereizt
Trotzdem kommt Maier nun langsam an seine Grenzen. "In manchen Bereichen bin ich sicher schon ausgereizt. Es zahlt sich aber auch nicht aus, noch besser zu werden, weil's für das Ski fahren nichts mehr bringt." Deshalb sucht sich Maier neue Betätigungsfelder. "Wir legen mehr Augenmerk auf Skitechnik und Koordination. Vielleicht fahre ich ein Mal blind oder nur mit einem Auge oder mit verschwommener Brille."

Hauptsache ist aber, dass er noch fährt. Denn im vergangen Jahr war schon einiges vom bevorstehenden Karriere-Ende nach dem Weltcup-Finale 2002 in seiner Heimat zu lesen. Wenn es so ist, dann weiß es Maier aber selbst noch nicht. "Ich bin kein Fußballer der schon ein Jahr vorher sagt, dass er aufhört. Das ist keine Einstellung für mich, denn dann lege ich mich gleich in die Sonne, anstatt zu trainieren." Ausschließen will er es aber nicht, seine Skier dann an den Nagel zu hängen. "Alles ist möglich, wer weiß, wie es mir geht, es kann immer was passieren." Und schließlich ist die tägliche Schinderei zwar "für mich besser als geregelte Arbeit", aber: "Angenehmes Training gibt's nicht, auch bei der Schwangerschaftsgymnastik spürt man was."

Genieße meine Freizeit und habe Spaß
Bei Motorrad-Fahrten, Fanklub-Wandertag und Ausflüge nach Oberösterreich zu Freundin Gudrun ist im Moment noch kein Platz für Olympia. "Ich denke keinen Moment daran, ich genieße lieber meine Freizeit und habe Spaß." Doch der wird auch auf Schnee wieder kommen. "Wenn ich wieder auf Skiern stehe, geht es von alleine. Auch wenn die Vorfreude nicht mehr so groß ist wie früher." Und schließlich gibt es ja doch noch Ziele, auch wenn sie der Seriensieger nicht offen ausspricht. "In der vergangenen Saison wären 14 Weltcup-Siege schon super gewesen. Wieder ein Weltrekord - und er wäre leicht möglich gewesen ohne die vielen Absagen. Aber gegen die Natur kann man eben nicht gewinnen."

1.8.2001 10:22