WM-Dritte im Hochsprung von 1993 ist optimistisch

Der 21. August 1993 war für Sigrid Kirchmann ein "wunderschöner Tag, an den ich mich mein ganzes Leben lang gerne erinnern werde". Damals holte die Oberösterreicherin bei den IV. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Stuttgart mit dem ÖLV-Rekord von 1,97 m Bronze im Hochsprung. Österreichs erste und bisher noch immer einzige Freiluft-WM-Medaille.
Die 35-Jährige, die am 25. Mai ihren Rücktritt vom Spitzensport erklärt hat, ist aber überzeugt, dass die rot-weiß-roten Sportfans am 12. August dank 800-m-Hallen-Europameisterin Stephanie Graf über die lang ersehnte zweite Podestplatzierung bei der nach Olympischen Sommerspielen und Fußball-WM-Endrunden drittgrößten Sportveranstaltung der Welt jubeln dürfen.
"Nicht nur bei Gold jubeln"
"Die Steffi holt in Edmonton eine Medaille, und ich werde gute Gesellschaft kriegen", lautet die Prognose von Kirchmann, die gleichzeitig die Öffentlichkeit dazu mahnt, nicht nur bei Gold Lobeshymnen anzustimmen. "Denn in der Leichtathletik überhaupt eine WM-Medaille zu holen, ist brutal schwer."
Mutola und Dos Santos als Graf-Konkurrentinnen
Die AHS-Lehrerin, die nach ihrer Heirat nun den Doppelnamen Ortner-Kirchmann trägt, erwartet Olympiasiegerin Maria Mutola aus Mosambik und die Brasilianerin Fabiane Dos Santos als Grafs härteste Konkurrentinnen im Kampf um Gold. "Und meistens gibt es bei der WM noch eine ominöse Vierte, mit der keiner rechnet. Und die sind die Gefährlichsten überhaupt, weil die immer plötzlich aus dem Hintergrund rausschießen." Eine solche ominöse Vierte war auch Kirchmann selbst vor acht Jahren gewesen. "Mit mir hat damals niemand gerechnet, wobei ich diese Rolle der Angreiferin immer genossen habe."
Steffi ist Topfavoritin
Die Ausgangsposition von Graf ist dagegen nach den Golden-League-Siegen in Rom, Paris und Oslo sowie den Silbermedaillen bei Olympia und der Hallen-WM eine völlig andere, nämlich die einer Topfavoritin. Doch ansonsten gibt es eigentlich nur Parallelen zu ihrer ehemaligen Teamkollegin. "Mein Formaufbau war damals ebenfalls ganz auf die WM ausgerichtet. Das hat mein Trainer Günter Krispel genauso gut hingekriegt wie der Helmut Stechemesser bei der Steffi", betont die Hallen-EM-Dritte von 1994. "Auch habe ich die Limits immer aus dem Training heraus geschafft. Das muss man einfach können, denn sonst hat man bei einem Großereignis keine Chance."
