Vuelta-Start noch offen

Die aktuelle Rad-Weltrangliste
"Der angekündigte Triumph des unerbittlichen Armstrong" (Le Parisien) oder "Der Cowboy holt sich den dritten Stern vom Himmel" (La Gazzetta dello Sport"). Die Pressestimmen vom Montag spiegelten den tollen dritten Coup en suite von Lance Armstrong wieder. Der 29-jährige US-Amerikaner wird von manchen schon als "Tourminator" bezeichnet.
Für den Triple-Sieger der Tour de France steht nach 20 Etappen und über 86 Stunden auf dem Rad aber jetzt nur eines im Vordergrund: Ausspannen. Die WM im Oktober wird er auf jeden Fall nicht bestreiten, allerdings steht der Texaner schon am 11. August beim Weltcup-Rennen in San Sebastian wieder am Start.
"Das Wichtigste für mich ist es nun, ein wenig zu entspannen und etwas Zeit mit meiner Familie zu verbringen", meinte Armstrong, der voraussichtlich am Mittwoch nach New York fliegen wird. Ob er bei der Vuelta dabeisein wird, lässt Armstrong offen. Immerhin steht mit dem von Kelme zu U.S. Postal gewechselten Roberto Heras der Titelverteidiger in seinem Team. "Ich würde ihm gerne helfen. Er hat eine tolle Chance, wieder zu gewinnen", sagte Armstrong.
Doping-Verdächtigungen
Auch nach seinem dritten Sieg muss Armstrong weiter um die Zuneigung der Franzosen kämpfen: Hartnäckig hielten sich Doping-Verdächtigungen gegen den überragenden Mann, dessen wiederholte Beteuerungen, "clean" zu sein, das Misstrauen nicht ausräumen konnten. Seine Leistung wurde zwar als "gewaltig" und "außergewöhnlich" honoriert, doch das machte ihn noch lange nicht zum Publikumsliebling. Immer wieder wurde dem Texaner "Arroganz" vorgeworfen. Die Franzosen fanden es unverständlich, dass er von einem Bodyguard begleitet wurde. "Die Tour ist ein globales Monstrum geworden, da gibt es Risiken für die Teilnehmer. Die Zeiten sind vorbei, in denen die Fahrer bei den Einheimischen übernachteten", rechtfertigte sich Armstrong gegenüber der "L'Equipe".
Image verbessert
Der Texaner hat sich allerdings große Mühe gegeben, sein Image zu verbessern, mehr zu lächeln und mehr Französisch zu sprechen. Auch die Presse gab sich zunehmend Mühe, ihn fair zu behandeln. "L'Equipe" befand zum Abschluss der Tour: "Wäre Armstrong Franzose, würde man ihn mit Zidane vergleichen und er wäre so beliebt wie keiner."
Triumphzug für Ullrich-Team
Die erfolgreichen Telekom-Fahrer wurden am Montag im beinahe schon gewohnten Triumphzug durch Bonn umjubelt. Voller Freude über den zweiten Gesamtplatz von Jan Ullrich und dem Happy End für den zum sechsten Mal in Folge zum "Sprintkönig" gewordenen Erik Zabel bereiteten die Telekom-Mitarbeiter den Rückkehrern einen herzlichen Empfang. "Danke für die spannendsten 23 Tage des Jahres. Danke, Jan! Danke, Erik! Danke, Jungs!", stand auf den in der Firmenzentrale angebrachten Plakaten zu lesen.
Ein paar Tage verschnaufen
So blieb Jan Ullrich zum Verschnaufen lediglich ein Tag Zeit. Danach tritt der Tour-Zweite wieder in die Pedale, vielleicht noch bis Oktober. "Ob ich die WM im Oktober in Lissabon fahre, werde ich noch entscheiden. Wenn das der Fall sein sollte, bereite ich mich in kleineren Rennen darauf vor. Die Spanien-Rundfahrt bestreite ich nicht", kündigte der 27-jährige Olympiasieger an. Für 2002 versprach Ullrich es wieder "hundertprozentig" versuchen. "Die Tour bleibt mein großes Ziel."
