Sonntag, 5. August 2001

Ausgeprägter Freizeithunger des US-Präsidenten

US-Präsident George W. Bush geht gern früh schlafen - wenn möglich, spätestens abends um Zehn. Die Wochenenden verbringt er häufig in Camp David. Insgesamt 14 Mal hat es ihn in seiner sechsmonatigen Amtszeit schon auf den Landsitz in den Catoctin Mountains im Bundesstaat Maryland gezogen. Und nun macht Bush auch noch vier Wochen lang Ferien daheim auf seiner Ranch in Texas.

Kommt er am 3. September zurück, hat er fast zwei Monate seiner Präsidentschaft inmitten seiner Kühe und Pferde verbracht. Da kann der Normalamerikaner nur vor Neid erblassen: Im Durchschnitt stehen ihm gerade 13 Urlaubstage im Jahr zu Verfügung.

Bushs ausgeprägter Freizeithunger hat in den USA schon in den ersten Wochen der Amtszeit Stirnrunzeln ausgelöst. Ganz böse Kritiker warfen ihm vor, er sei faul und lasse seinen herzkranken Vize Dick Cheney für sich schuften. Das ist diesmal nun wirklich nicht der Fall: Cheney selbst urlaubt im August vier Wochen daheim in Wyoming.

Keine Ferien nur "Arbeitsurlaub2
Trotzdem sind Bushs Berater offensichtlich ums Image ihres Chefs besorgt. So war der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, peinlichst bemüht, vor der Abreise am Samstag das "Unwort" Ferien zu vermeiden. Nein, Bush macht "Arbeitsurlaub" und eine "Tour nach Hause aufs Land".

Tatsächlich werden Mitarbeiter den Präsidenten auch auf der Ranch in Crawford bei Waco an sechs Tagen in der Woche in wichtigen politischen Fragen auf dem Laufenden halten. Ein bis zwei Tage in jeder Ferienwoche wird Bush außerdem reisen, nach Denver in Colorado zum Beispiel, nach Albuquerque in New Mexico und nach San Antonio im Heimatstaat Texas.

Gleichstand mit Nixon
Vorher aber wird er beim Zeitungslesen erfahren, was kluge Köpfe inzwischen ausgerechnet haben. Danach war Richard Nixon mit 30 Tagen ununterbrochener Abwesenheit vom Weißen Haus der bisherige Urlaubsrekordhalter unter den Präsidenten der modernen US-Geschichte. Bush zieht nun mit ihm gleich.

Platz Zwei hält Reagan mit 28 Tage-UrlaubAuch Ronald Reagan machte gerne mal frei: Er verbrachte insgesamt 335 Tage seiner achtjährigen Präsidentschaft auf seiner Ranch in Santa Barbara (Kalifornien). Einmal ließ er sich 28 Tage lang nicht im Weißen Haus blicken, was ihm auf der Präsidenten-Urlaubsskala den zweiten Platz hinter Nixon und Bush sichert.

Clinton: Nur zwei Wochen Sommer-Urlaub
Bill Clinton, reiste durchschnittlich einmal im Monat nach Camp David und machte pro Jahr rund vier Wochen Urlaub, zwei davon im Sommer und zwei zu Weihnachten. Besonders gern faulenzte er in Martha's Vineyard (Massachusetts). Mangels eigenem Familiensitz nistete er sich meistens als Gast in den Villen guter und gutbetuchter Freunde ein.

5.8.2001 19:18