Splittergruppe der IRA hinter Explosion vermutet

Eine schwere Autobombe ist in der Nacht zum Freitag im Westen Londons explodiert. Bei dem Terroranschlag, als dessen Urheber sofort Splittergruppen der nordirischen Republikaner verdächtigt wurden, sind mindestens sieben Menschen verletzt worden. Der Sachschaden ist erheblich.
Ein Polizeisprecher bestätigte Freitag Früh, die Beamten sind vor der Bombe gewarnt worden. Nähere Angaben - beispielsweise darüber, ob es sich um eine codierte Warnung gehandelt hat, wie sie von nordirischen Untergrundorganisationen verwendet wird - wurden zunächst nicht gemacht. Die Explosion erschütterte kurz vor Mitternacht eine Straße in der Nähe der U-Bahn-Station Ealing Broadway, in der sich zahlreiche Pubs und Weinstuben befinden, und die auch zu später Stunde stets belebt ist.
Die Wucht der Detonation, die von Augenzeugen übereinstimmend als "sehr schwer" beschrieben wurde, zerstörte eine Reihe von Schaufensterscheiben und Autos. Der Student Jagpreet Sidhu (22) sagte: "Ich fühlte die Druckwelle und dann sah ich eine richtige Feuerwalze auf uns zukommen. Ich duckte mich weg und wurde zu Boden geworfen." Ersten Angaben zufolge wurde eine Frau verletzt. Mindestens sieben andere Personen, die sich zur Zeit der Kneipenschließung auf der Straße befanden, sollen leichte Schnittverletzungen durch herumfliegende Glassplitter erlitten haben.
Sprechchöre gegen IRA
Menschen an den Polizeiabsperrungen stimmten spontan Sprechchöre gegen die nordirische Terrororganisation IRA an. In den vergangenen Monaten haben Organisationen republikanischer Extremisten, die sich von der "Irisch-Republikanischen Armee" abgespalten haben, mehrere Bombenanschläge verübt.
Im Juli vergangenen Jahres wurde unweit des jetzigen Explosionsortes eine Bombe gefunden, die der "Wahren IRA" (Real IRA) zugeschrieben wurde. Im März dieses Jahres explodierte eine Autobombe vor dem Fernsehzentrum der britischen BBC. Irische Republikaner gelten auch als Hintermänner eines Mörseranschlags auf die Zentrale des britischen Geheimdienstes MI6 im September 2000.
Kritischer Zeitpunkt im Nordirland-Konflikt
Der jüngste Anschlag ereignete sich zu einem kritischen Zeitpunkt im nordirischen Konflikt. Die Konfliktparteien haben noch bis Montag Zeit, sich zu Vorschlägen der irischen und der britischen Regierung zu äußern, bei denen es um den weiteren Fortgang des in eine schwere Krise geratenen Friedensprozesses geht. Der britische Premierminister Tony Blair ließ während einer Lateinamerikareise erklären, sein Mitgefühl gilt den Verletzten. In Nordirland wird es eine Lösung des Konfliktes "nur durch Dialog geben". Er hofft, dass die Vorschläge beider Regierungen dafür "ruhig und abgewogen" geprüft werden.
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