Mittwoch, 1. August 2001

Empörte Kritik: "Gefährliches Euthanasie-Gefasel!"

Aktive Sterbehilfe: Umfrage

Neu entflammt ist die Sterbehilfe-Debatte in Österreich: Alexander Van der Bellen kann sich "unter bestimmten Voraussetzungen auch eine aktive Sterbehilfe vorstellen". Kaum tat der Grüne Bundessprecher seine Meinung kund, hagelte es Kritik von VP, FP und SP. VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger: "Das ist gefährliches Euthanasie-Gefasel!"

Rasinger weiter: "Mit uns nicht." Die ÖVP werde in dieser Frage keinen Millimeter vom kategorischen Nein abweichen und sicher nie "Ökonomie vor Ethik stellen." Sollte aktive Sterbehilfe möglich sein, könnten letztlich auch Aspekte der Ökonomie eine Rolle spielen. Zweites Gegenargument Rasingers: Gerade Österreich und Deutschland haben im Dritten Reich die schlechtesten Erfahrungen mit Euthanasie gemacht. Und schließlich würde aktive Sterbehilfe auch das Aus für alle Bemühungen um Hospizbetreuung und Schmerztherapien bedeuten.

Van der Bellen will "holländisches Modell" 6 Monate beobachten
Der Vorschlag Van der Bellens, das holländische Modell ein halbes Jahr lang zu beobachten, ist laut Rasinger absurd. Weil die Ergebnisse bereits vorlägen. "In Holland erhielten auch Schwerstbehinderte, die selbst nicht mehr einwilligungsfähig waren, die Spritze, die ihr Leben beendete. Darüber haben dann Familie und Ärzte entschieden", verweist Rasinger. "Das wird von vielen Experten als Mord bezeichnet und nicht als Hilfe verniedlicht", betont der praktizierende Arzt.

Van der Bellen hat sich als "Wolf im Schafspelz geoutet"
FPÖ-Gesundheitssprecher Alois Pumberger sagte: "Van der Bellen hat sich die Maske vom Gesicht gerissen und sich als Wolf im Schafspelz geoutet". Pumberger warf den Grünen vor, den Konsens in internationaler und in nationaler Hinsicht gebrochen zu haben. Der holländische Weg der Tötung auf Verlangen werde europaweit abgelehnt. Die Haltung der Grünen stehe daher nicht im Einklang mit der europäischen Meinung.

Töten auf Verlangen: Grüne unterschrieben klares Nein am 29. Mai
Auch aus österreichischer Sicht ist das Verhalten der Grünen unverständlich. Noch bei der Sterbehilfe-Enquete am 29. Mai ist ein Vier-Parteien-Konsens erzielt worden, dass für Österreich die Tötung auf Verlangen abgelehnt werde. "Dieser Konsens wurde von den Grünen nun gebrochen und hielt somit nicht einmal ein Viertel Jahr," so Pumberger. Er befürchtet nun, dass die Grünen "demnächst nach Euthanasie und nach Methoden rufen, die uns an schlimme Zeiten erinnern".

1.8.2001 15:49