Mittwoch, 1. August 2001

Deutschland: Wer hat als erster "Ja" gesagt?

Was halten Sie von der Homo-Ehe? Stimmen Sie ab! Umfrage

Die Homo-Ehe feierte heute in Deutschland Premiere. Gleich zwei Paare beanspruchen die erste Trauung für sich: Lesben in Berlin und Schwule in Hannover. Während hierzulande Politik und Kirche verkrampft über die Streichung des Homo-Paragrafen nachdenken, sehen das die Österreicher lockerer: 70 Prozent sind laut einer Umfrage für die Gleichstellung von Homo-Paaren.

Laut einer aktuellen IFES-Umfrage sind 70 Prozent der Befragten dafür, dass gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte bei Wohnungskauf oder Erbrecht haben sollen wie Ehepaare. Die rechtliche Anerkennung von homosexuellen Lebensgemeinschaften befürworten 52 Prozent (23 Prozent dagegen), standesamtliche Heirat 41 Prozent (37 Prozent dagegen). Klar abgelehnt wird von 59 Prozent eine kirchliche Ehe. 48 Prozent wollen den Paragrafen 209 streichen.

Gehrer: "Heiraten, das muss nicht sein"
Zahlen, die auch in der VP nachdenklich machen: Vizechefin Gehrer offen: "Diese Menschen muss man akzeptieren und volle Toleranz üben. Ungerechtigkeiten müssen weg." Über eingetragene Partnerschaften "kann man nachdenken". Doch: "Heiraten, das muss nicht sein."

Startschuss für Homo-Ehe in Deutschland: Wer hat als erster "Ja" gesagt?
Wer hat heute als erster "Ja" gesagt? Das Recht auf die Premiere der offiziellen "Homo-Ehe", die seit heute in ganz Deutschland gestattet ist, beanspruchen zwei Paare für sich: Ein Schwulen-Paar in Hannover. Und ein Lesben-Paar in Berlin. In Österreich ist die Homo-Ehe zumindest derzeit noch kein Thema.

Zumindest 13 schwule und lesbische Paare werden sich im Laufe des Tages das Ja-Wort geben. In den Standesämtern laufen die Telefone heiß - denn jetzt wollen sich alle trauen lassen! Im schwul-lesbischen Berliner Szeneviertel Schöneberg ist das Standesamt für die nächsten zwei Wochen bereits restlos ausgebucht.

Bayern will keine schwulen Ehepaare
Die konservative Regierung in Bayern versucht die Regelung hinauszuzögern. Homosexuellen wird die Trauung vor dem Standesamt verwehrt, stattdessen sollen die Paare zum Notar geschickt werden. Aber auch das wird erst frühestens ab Herbst möglich sein, da das entsprechende Gesetz noch nicht den bayrischen Landtag passiert hat. Gestern ist beim deutschen Verfassungsgericht ein Eilantrag eingegangen, der Bayern zur Umsetzung der Regelung zwingen soll.
Auch andere Bundesländer wie Thüringen oder Sachsen zieren sich noch, die Schwulen-Ehe anzuerkennen.

Erste Scheidung in Hamburg
Ganz anders geht es in der Hansestadt zu: Hier dürfen Homosexuelle bereits seit 1999 den Bund des Lebens schließen. Die erste schwule Hochzeit gab es bereits am 6.Mai 1999. Allerdings war diese "Hamburger Ehe" nur von symbolischer Bedeutung, sie hatte keine Auswirkungen auf Rechte und Pflichten der Partner.
So manches Paar musste allerdings schon die Nachteile einer Ehe erkennen: Ein Mann ließ sich von seinem Gatten, den er im Jänner 2000 geheiratet hatte, bereits wieder scheiden. Grund: Ein Seitensprung.

Vorreiter Skandinavien
Die skandinavischen Länder zeigten sich schon wesentlich früher aufgeschlossen: In Dänemark dürfen Homosexuelle bereits seit 1989 heiraten, 1993 öffnete Norwegen die Standesämter für gleichgeschlechtliche Ehen. In den Jahren darauf folgten Schweden, Island, die Niederlande und Frankreich. Scheidungsraten sind allerdings nicht bekannt.

Auswirkungen auf die Partner
Mit der Ehe hört sich aber auch für Schwule der Spaß auf: Neben neuen Rechten wie in Miet- oder Erbfragen kommen auch neue Pflichten auf die Leute zu. Gegenseitige Fürsorge- und Unterhaltspflichten gelten auch für sie - in guten wie in schlechten Zeiten.

Grüne: Recht auf Adoption
Die deutschen Grünen, die wesentlichen Anteil an der Durchsetzung der Schwulen-Ehe haben, geben sich mit dem Erreichten nicht zufrieden. Jetzt fordern sie eine Änderung des Adoptionsrechts. Während ein Homosexueller als Einzelperson ein Kind adoptieren darf, ist das schwulen Paaren nicht erlaubt. Diese Regelung sei durch nichts zu rechtfertigen, so die Grünen.

1.8.2001 16:38