Montag, 30. Juli 2001

Albaner sprechen von neuen Hindernissen

Die Hoffnung auf eine baldige Einigung bei den Friedensverhandlungen in Mazedonien hat sich am Montagabend wieder zerschlagen. Nach Berichten über erste Fortschritte bei den am Samstag wieder aufgenommenen Gesprächen in Ohrid sprach die albanische Seite von neuen Hindernissen.

Die mazedonische Staatsanwaltschaft ordnete unterdessen die Festnahme von elf Führern der albanischen Rebellen an. Dies dürfte für zusätzlichen Zündstoff sorgen.

Unter den elf albanischen Rebellenführern, deren Festnahme die Staatsanwaltschaft in Skopje am Montag anordnete, ist auch deren politischer Führer Ali Ahmeti. Die Entscheidung erfolgte, nachdem am Freitag das Innenministerium Ermittlungen gegen diese Personen angeordnet hatte.

Hauptstreitpunkt bei den Gesprächen ist die Forderung der albanischen Minderheit, Albanisch als zweite Amtssprache einzuführen. Auf dem Tisch liegt ein Kompromissvorschlag der mazedonischen Seite, wonach in Gebieten mit einem Anteil der Albaner von mindestens 20 Prozent Albanisch zweite Amtssprache werden soll. Über die Umsetzung des Vorschlags gibt es nach Angaben aus Verhandlungskreisen immer noch Differenzen.

Ein westlicher Diplomat sagte, die Delegationen bewegten sich auf eine Einigung zu. Dagegen hieß es aus albanischen Delegationskreisen, die Mazedonier wollten den Kompromissvorschlag zerstückeln. So habe die mazedonische Seite vorgeschlagen, dass Albanisch im Parlament nur in nichtöffentlichen Sitzungen gesprochen werden dürfe. Dies lehnten die Albaner ab.

Ein Mitglied der mazedonischen Delegation, Gjorgji Spasov, hatte wenige Stunden zuvor noch die Hoffnung geäußert, dass es schon bald zu einer Einigung kommen könne, möglicherweise sogar noch am Montag. Auch der EU-Vermittler Francois Leotard sagte am Montag dem Radiosender France Inter, nach einem Monat intensiver Verhandlungen hoffe er nun auf eine "positive Antwort in den nächsten Tagen". Zugleich räumte Leotard ein, dass die Gespräche außerordentlich schwierig seien. Falls die Verhandlungen scheiterten, drohe ein Bürgerkrieg. Das sei das Schlimmste, was dem Land und der Region widerfahren könne. Beratungen über einen ersten Vertragsentwurf waren am 20. Juli gescheitert.

30.7.2001 20:59