FORMAT: Göttliches Sendungsbewußtsein

Handyfirmen wollen in Tausenden Kirchen Sendemasten montieren. Viele Gläubige haben Angst. Die Gottesmänner fordern hohe Mieten.
Potenzprobleme, Schlafstörungen und Haarausfall sind Ängste, die das österreichische Kirchenvolk derzeit plagen. Ursache dafür ist nicht göttliche Heimsuchung oder Teufelswerk, sondern die moderne Mobiltelefonie. Genauer: die Errichtung von Handymasten und deren gesundheitliche Folgen.
Die Handyfirmen haben es nämlich auf die hohen Kirchtürme der mehr als 3.000 Pfarrkirchen Österreichs abgesehen. Mit dem Aufbau des UMTS-Netzes werden vom Bregenzer Wald bis zum Neusiedler See in den nächsten Jahren zigtausend neue Stationen zusätzlich benötigt. „Kirchen sind aufgrund der Höhe ideale Standorte. Man kann die Masten auch so im Turm unterbringen, daß es keiner sieht“, erklärt max.mobil- Boß Gerhard Pölzl sein Interesse.
Seit Mai laufen die Verhandlungen zwischen Kirche und Mobilfunkern auf Hochtouren.Viele Pfarrer würden die ständig sinkenden Kirchenbeiträge gern durch ein zusätzliches Körberlgeld kompensieren. Viele Gläubige haben aber Angst vor schädlichen Strahlen. Die Diözesen Salzburg und Tirol haben die Installierung von Sendestationen auf Druck ihrer Schäfchen schon verboten.
Weiterer Streitpunkt: Beim Geld hört die christliche Nächstenliebe auf. Die Diözesen sind sich der großen Nachfrage nach geeigneten Standorten bewußt und verlangen entsprechende Mieten. Thomas Barmüller, Chef des Forum Telekommunikation: „Die Kirche treibt die Preise nach oben. Wir haben bei 5.000 Schilling Monatsmiete pro Turm angefangen und gehen jetzt auf die 7.000 zu.“
Der mit der Handycausa betraute Rechtsexperte der Diözese St. Pölten, Gregor Hochhaltinger, verteidigt sich: „Das kann ich nicht nachvollziehen.Wir verlangen nur die ortsüblichen Mietpreise.“ Nachsatz: „Wir wissen, was den Firmen finanziell zumutbar ist.“ Die Wiener Pfarre Neu Erlaa steht kurz vor Abschluß des lukrativen Geschäfts: Ihr Oberhirte kassiert nach dem UMTS-Ausbau 700 Euro monatlich (9.632 Schilling) – zwanzigmal soviel wie so mancher weltliche Vermieter.
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