Sonntag, 29. Juli 2001

Für ÖVP-Glaser Anklage "unverständlich"

Die im Vorjahr aufgeflogene Milliarden-Kreditaffäre rund um die Bank Burgenland hat nun auch für die beiden ehemaligen Vorstände Günter Widder und Manfred Schneider ein gerichtliches Nachspiel. Gegen beide wird eine Anklage eingebracht. LH Hans Niessl (S) ist davon nicht überrascht.

In der Vergangenheit hätten sehr viele Rechtsexperten und auch die Burgenländer damit gerechnet, dass es zu Anklagen kommen würde, weil der ehemalige Bankchef Ernst Gassner die meisten Kredite mit Zustimmung der anderen Vorstände vergeben habe. Nun sei das Gericht gefordert, sagte Niessl.

Sowohl bei Gassner als auch bei Widder und Schneider sollte man sich auch Schadenswiedergutmachungsklagen überlegen. Dabei sei in erster Linie die Bank Burgenland gefordert, die als Bank die ehemaligen Vorstände klagen müsse, so Niessl. Gerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden sollten aber auch die Bankenaufsicht sowie die damals zuständigen Bankenprüfer.

Niessl sprach sich gegen Vorverurteilungen aus: "Man wird nach dem Prozess sehen, ob es hier auch Schuldsprüche gibt oder nicht." In ihrer Argumentation sehe sich die SPÖ, die stets von einer Gesamtverantwortung des Vorstandes ausgegangen sei, bestätigt: "Was wir vor einem Jahr gesagt haben, hat sich heute zumindest mit der Anklage bestätigt: Dass der Verdacht besteht, dass auch die beiden anderen Vorstandsdirektoren Widder und Schneider möglicherweise nicht korrekt gehandelt haben."

Wenn man die Angelegenheit mit Hom-Rusch vergleiche, sei es "unverständlich, dass angeklagt wird", sagte ÖVP-Klubchef Franz Glaser im ORF-Radio Burgenland. "Wenn einer der Hauptschuldigen in dieser ganzen Sache mit derart geringen Strafen (fünf Jahre Haft im offenen Vollzug, Anm.) davonkommt, kann ich mir nicht vorstellen, dass bei Günter Widder oder dem Herrn Schneider etwas zu finden ist, das derartig gravierend wäre, um hier eine Verurteilung herbeizuführen."

Er glaube auch nicht unbedingt, dass es "große Strafen" geben werde, so Glaser. Er sei der Ansicht, dass die Verantwortung zu klären sei, dass diese aber bei Widder und Schneider "nicht unbedingt sehr groß anzusetzen sein wird", sagte der Klubchef.

29.7.2001 10:07