Dienstag, 24. Juli 2001

Bertelsmann-Manager Hilbers wird Nachfolger

Führungswechsel an der Spitze der früheren Musiktauschbörse Napster: Für den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Frank Berry kommt der deutsche Bertelsmann-Manager Konrad Hilbers. Hilbers soll die Firma in ein Unternehmen mit einem kostenpflichtigen Musikdienst umwandeln.

Bertelsmann ist seit Oktober der wichtigste Geldgeber von Napster. Barry war seit Mai 2000 Übergangschef der Firma. Er kam von dem Risikokapitalunternehmen Hummer Winblad und wird Napster den Angaben zufolge im Aufsichtsrat erhalten bleiben.

Hilbers Hauptaufgabe wird es zunächst sein, die Klagen großer Plattenfirmen gegen Napster beizulegen. Der frühere kostenlose Tauschdienst ruht schon seit dem 2. Juli. Ein amerikanisches Bundesberufungsgericht entschied zwar kürzlich, dass Napster damit wieder ins Internet gehen darf. Es ist aber unklar, ob Napster dies auch umsetzt.

Urheberrechts-Klage
Die US-Musikindustrie hatte Napster schon 1999 verklagt, weil über die Rechner der Firma auch urheberrechtlich geschützte Musikstücke getauscht worden waren. Wegen der Klage musste Napster seinen Dienst fast völlig einstellen. Die Firma hatte sich zuletzt verstärkt bemüht, den gerichtlichen Anordnungen nachzukommen und den Austausch von urheberrechtlich geschützten Musikstücken zu unterbinden. So wurden neue Filter eingeführt, um illegale Stücke vom Tausch auszuschließen.

Anfang Juni schloss Napster ein Abkommen mit MusicNet, einem Gemeinschaftsunternehmen von AOL/Time Warner, Bertelsmann und EMI sowie der Softwarefirma RealNetworks, das quasi als Großhändler die Musikkataloge der drei Musikkonzerne mit Stars wie Eric Clapton, Madonna, Carlos Santana oder Robbie Williams im Internet vermarktet.

Bei Napster sank die User-Zahl von 1,57 Mill. auf 320.000
Die Nutzung von Napster ist seit den Maßnahmen gegen den illegalen Tausch von Musikstücken drastisch zurückgegangen. Nachdem im Februar auf dem Höhepunkt des Napster-Booms 1,57 Mill. Nutzer ihre Musikstücke ausgetauscht hatten, waren es Ende Juni gerade noch 320.000. Und da das Abonnementsangebot weiter auf sich warten lässt, wandern die Napster-Fans zu anderen Angeboten wie Freenet, Bearshare oder iMesh ab, wo es weiter Musik, aber auch Filme kostenlos gibt. Die Nutzung dieser Seiten stieg in den vergangenen Wochen deutlich an, wie die Marktforschungsfirma Nielsen/NetRatings berichtete. "Das Interesse am Tausch von Dateien ist weiter enorm", sagte Jarvis Mak von NetRatings.

24.7.2001 13:03