Dienstag, 24. Juli 2001

Kranebitter: "Partner keine zwingende Voraussetzung"

Die Styria Medien AG ("Kleine Zeitung", "Die Presse") hat sich nach eingehender Prüfung endgültig entschlossen, kein Angebot für die Übernahme der insolventen Libro-Gruppe zu legen. Damit geht der Poker um Libro weiter. Die Aktien stürzten im Verlauf über 32% auf 1,60 Euro ab.

Aus Sicht des Wirtschaftstreuhänders Gottwald Kranebitter, Mehrheitseigentümer der insolventen Libro AG, bedeutet die heute bekannt gegebene Entscheidung der Styria, endgültig kein Angebot für die Buch- und Papierhandelskette zu legen, "gar nichts". "Vorstand und Eigentümer bleiben bei ihrer Strategie, das Kerngeschäfts der Gruppe, sprich Libro und Amadeus, zu sanieren und dann aus einer starken Ausgangssituation auf Partnersuche zu gehen", so der KPMG-Geschäftsführer. Ein Partner sei "aus heutiger Sicht keine zwingende Sanierungsvoraussetzung".

Kranebitter rechnet mit einer Annahme des Ausgleichs bei der Prüfungstagsatzung am 21. September. "Darauf arbeiten wir mit Volldampf hin". Zwar sei eine Unmenge von Schreiben von in- und ausländischen Interessenten für Libro eingetroffen, vor der Ausgleichsannahme sei der Einstieg eines Partners aber "unwahrscheinlich". Auch Libro selbst sei danach stärker.

Für die verlustträchtige Online-Tochter der Gruppe, Lion.cc, gibt es "intensive Gespräche mit strategischen Partnern mit einer klaren Weiterführungsabsicht". Diese Woche ist allerdings nicht mehr mit einem Abschluss zu rechnen, so Kranebitter.

Styria winkt wegen "strategischen Überlegungen" ab
"Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren primär strategische Überlegungen; dazu kamen Konkurrenzen mit aktuellen alternativen Investments. Schließlich spielte auch die rechtlich - nach wie vor - unübersichtliche Situation eine Rolle", so Styria-Generaldirektor Horst Pirker. "Die Styria Medien AG dankt ausdrücklich noch einmal allen Beteiligten, insbesondere den Gläubigerbanken, für die offenen und konstruktiven Gespräche."

Neuer historischer Tiefststand der Libro-Aktien
Die Aktien der in Ausgleich befindlichen Buch- und Medienhandelskette Libro sind heute neuerlich massiv unter Druck geraten. Bei einem Umsatz von 55.231 Stück in Einzelzählung stürzten die Papiere bis 12:20 Uhr MESZ um 31,09 Prozent auf 1,64 Euro ab. Im Sitzungsverlauf hatten die Aktien bereits mehr als 32 Prozent an Wert eingebüßt und mit 1,60 Euro einen neuen historischen Tiefstand markiert. Bereits am Montag waren die Libro-Aktien um 23,23 Prozent abgesackt und schlossen bei 2,38 Euro.

Begründet wurde der neuerliche Einbruch einerseits durch die am Montag durchgeführte Umreihung der Libro-Aktie vom ATX- ins Specialist-Segment. "Schön langsam verabschieden sich die letzten Investoren aus dem Titel", meinte ein Händler angesichts der schweren Kursverluste. Es sind auch so gut wie keine Käufer mehr im Markt, ergänzte ein anderer.

24.7.2001 16:13