Montag, 23. Juli 2001

Bayern reduziert Anteil auf unter 5%

Der Freistaat Bayern hat für rund 938 Mill. DM (480 Mill. Euro/6,6 Mrd. S) E.ON-Aktien verkauft und damit seinen Staatsanteil an dem Düsseldorfer Energiekonzern auf unter fünf Prozent gesenkt. Finanzminister Kurt Faltlhauser sagte, die Landesregierung mache mit diesem Schritt den Weg für eine Übernahme des britischen Versorgers Powergen mit dessen US-Tochter LG & E durch E.ON frei.

Dazu muss der Freistaat nach US-Recht seinen Anteil als branchenfremder Aktionär auf unter fünf Prozent von derzeit knapp 5,5 Prozent reduzieren. Bayern wolle seinen E.ON-Anteil auch künftig weiter verringern. "Wir werden nicht auf ewige Zeiten E.ON-Anteile halten", sagte der Minister, ohne einen Zeitpunkt zu nennen.

Bayern-Anteil sinkt auf 4,5%
Faltlhauser sagte weiter, Bayern habe bereits in der vergangenen Woche rund 7,45 Mill. E.ON-Stückaktien an eine Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Bank verkauft. Damit sinkt der Anteil Bayerns an E.ON auf 4,5 Prozent von 5,48 Prozent zuvor. Die Landesregierung habe beim Verkauf das Kurshoch der E.ON-Aktie genutzt, als der Konzern einen Tausch seiner Veba Oel-Anteile gegen die Ruhrgas-Beteiligung des britischen Ölkonzerns BP bekannt gegeben hatte. Vorübergehend war die Aktie seinerzeit auf ein Hoch von 64,40 Euro gestiegen. Am Montagmittag zeigten sich E.ON in einem ansonsten freundlichen Marktumfeld weitgehend unverändert bei 63,85 Euro.

E.ON-Chef Ulrich Hartmann hatte im April Verhandlungen mit Bayern angekündigt, weil der Konzern mit der Übernahme von Powergen zum weltweit zweitgrößten Energiedienstleiter aufsteigen will. Faltlhauser sagte, Bayern unterstütze diese Pläne, da E.ON damit auch den Standort Deutschlands stärke. Die Landesregierung behalte vorläufig ihr Mitspracherecht bei E.ON, weil es weiter über vier Prozent der Anteile halte und damit ein Mitglied des E.ON-Aufsichtsrats bestimmen dürfe.

Bayern behält Wahlrecht eines Aussichtstrates
Der Anteil Bayerns an E.ON geht auf die Fusion von Veba und Viag zurück. Bayern hatte bei der Ankündigung des Zusammenschlusses im Herbst 1999 zehn Prozent seines Anteils von insgesamt 25,1 Prozent an der Viag an die Veba verkauft. Für die restlichen 15,1 Prozent erhielt der Freistaat bei der Fusion einen Anteil von 5,48 Prozent am Grundkapital von E.ON. Der Fusionsvertrag räumt dem Land die Wahl eines Aufsichtsratsmitglieds ein, wenn es mindestens vier Prozent der Anteile hält.

Bayern gibt Verkaufserlös für Bildung aus
Zur Mittelverwendung aus dem E.ON-Aktiengeschäft sagte Faltlhauser, Bayern wolle das Geld vorrangig für Ganztagsbetreuung und Bildung ausgeben. Nach der Verfassung dürfen mit den Erlösen aber keine laufenden Kosten wie Personalkosten bezahlt werden.

E.ON verhandelt wegen der Powergen-Übernahme auch mit dem Münchener Versicherungskonzern Allianz, die rund zehn Prozent an dem Energiekonzern hält.

23.7.2001 17:16