"Konzentration mit EU-Dimension"

Die Europäische Kommission wird die Übernahme von Montedison SpA, Mailand, durch das Konsortium Italenergia prüfen: Der geplante Kauf stelle eine Konzentration mit EU-Dimension dar und müsse deshalb zur wettbewerbsrechtlichen Überprüfung in Brüssel angemeldet werden.
Diesen Schluss hat die Behörde nach eigenen Angaben vom Wochenende aus den jüngsten Änderungen des Beteiligungskreises innerhalb von Energia gezogen, insbesondere die Begrenzung der Stimmrechte von Electricite de France (EdF) auf zwei Prozent.
Keine Genehmigung der EU-Fusionskontrollbehörde
Der Erwerb von 52 Prozent an Montedison durch Italenergia war ursprünglich bei der italienischen Wettbewerbsbehörde (Autorita Garante della Concurrenza e del Mercato) angemeldet worden. Die Kommission ist allerdings der Ansicht, dass Fiat SpA, Turin, durch ihre Kontrolle über Italenergia auch die Kontrolle über Montedison übernommen hat. Die Behörde wies darauf hin, dass nach EU- Fusionskontrollverordnung ein Zusammenschlussvorhaben mit Gemeinschaftsdimension solange nicht in Kraft treten kann, wie keine Genehmigung dazu vorliegt.
Montedison und Fiat/EDF hatten sich am Sonntagabend auf eine Erhöhung des Übernahmeangebots der von Fiat und EDF geführten Gesellschaft Italenergia geeinigt. Italenergia bietet nun 3,16 Euro (43,48 S) pro Montedison-Aktie. Ursprünglich hatte das Konsortium einen Preis von 2,82 Euro pro Anteilsschein zahlen wollen, aber bereits in der vergangenen Woche auf 3,07 Euro erhöht.
Hoher Preis beschleunigte Entscheidung
"Der Preis ist deutlich höher als das, was Italenergia anfangs geboten hat", sagte der Montedison-Sprecher. "Mit Blick auf eine lange juristische Auseinandersetzung mit ungewissem Ausgang hat der Montedison-Verwaltungsrat sich entschlossen, die Übereinkunft anzunehmen." Die Montedison-Energie-Tochter Edison erklärte ihrerseits, sie halte auch das neue Angebot von Italenergia für "unangemessen", werde den Aktionären aber nicht vorschreiben, ob sie das Offert annehmen sollen oder nicht. Montedison hält 60 Prozent an Edison.
Neustrukturierung durch Übernahme
Durch die Übernahme Montedisons wird der italienische Strommarkt neu strukturiert: Montedison hat mit seinen Stromtöchtern derzeit eine Kapazität von 6.600 Megawatt, die nach der Übernahme auf 14.000 Megawatt erhöht werden soll. Das würde Italenergia den zweiten Platz hinter dem staatlichen italienischen Stromkonzern Enel sichern.
Der staatliche französische Stromkonzern EDF hatte in den vergangenen Jahren eine gezielte Expansionspolitik in europäischen Nachbarländern eingeleitet. In Deutschland hält EDF 34,5 Prozent an Energie Baden-Württemberg (EnBW). Die EU-Kommission hatte am Samstag erklärt, sie werde eine mögliche Übernahme prüfen.
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