Sonntag, 29. Juli 2001

SPEZIAL: Alles zum Generali Open 2001 in Kitzbühel

Nicolas Lapentti (ECU) ist der Sieger bei den mit 900.000 Dollar dotierten Generali Open in Kitzbühel. Lapentti gewinnt im Finale gegen Albert Costa (ESP) mit 1:6,6:4,7:5,7:5 und vereitelt damit Costas vierten Kitz-Sieg.

Der Rekord von Guillermo Vilas, der in Kitzbühel als bisher einziger Spieler vier Mal triumphiert hatte, bleibt vorerst weiter bestehen. Denn der spanische Triple-Sieger Albert Costa, der am Sonntag mit dem Argentinier gleichziehen hätte können, ging im Finale der Generali Open als Verlierer vom Court. Nicolas Lapentti setzte sich in dem 3:50 Stunden währenden Hitze-Marathon trotz Krämpfen im Finish durch.

Lapentti: "Mein bisher mühevollster Sieg"
Eisbeutel lagen auf seinen Oberschenkeln, als er kurz nach Match-Ende glücklich, aber total erschöpft zum ersten Interview gebeten wurde. "Unglaublich. Das war mein bisher mühevollster Sieg. Mein Einsatz und mein Kämpferherz haben diesmal den Ausschlag gegeben, nicht mein Tennis. Einen fünften Satz hätte ich wohl nicht mehr durchgestanden", gestand der Sieger, der Kitzbühel ursprünglich gar nicht in seinem Turnierplan gehabt und erst durch eine Wild Card einen Startplatz erhalten hatte. Für 2002 hat er einen Start in Tirol fix eingeplant, versprach er.

Dritter Südamerikaner in der Kitz-Siegerliste
Der 24-jährige, dessen Schwester Maria Cecilia übrigens mit dem Wiener Alexander Zederbauer verheiratet ist und in München lebt, trug sich als dritter Südamerikaner nach den Argentiniern Vilas (1977, 1980, 1982, 1983) und Horacio de la Pena (1990) bei Österreichs größtem Freiluftturnier in die Siegerliste ein und kassierte für den vierten Titel nach Bogota (1995) sowie Indianapolis und Lyon (jeweils 1999) 137.000 Dollar (156.250 Euro/2,15 Mill. S).

Dominanz der Spanier gebrochen
Mit dem Sieg über seinen zwei Jahre älteren Rivalen unterbrach Lapentti gleichzeitig die Dominanz der Spanier, die in Kitzbühel mit Ausnahme von 1997 (Filip de Wulf/Belgien) seit 1995 stets den Sieger gestellt hatten.

Zweite Niederlage für Costa in Tirol
Für Costa war dies bei fünf Tirol-Auftritten erst die zweite Niederlage in 23 Matches, nachdem er im Achtelfinale des Vorjahres von seinem Landsmann Francisco Clavet erstmals geschlagen worden war.

Er war natürlich etwas enttäuscht, dass es diesmal nicht zum Titel gereicht hatte, doch zog auch er nach dem ersten diesjährigen Einzug in ein ATP-Finale eine positive Bilanz: "Ich bin hier vier Mal ins Finale gekommen und habe nur ein Mal verloren. Vor einer Woche hätte ich nie an das Endspiel gedacht", sagte der ungesetzte Spanier, der nächstes Jahr erneut auf den vierten Titel losgehen will.

Costa startete Match mit einem Satzgewinn
Das Finale, vor dem man in einer Gedenkminute der bei einem Badeurlaub tödlich verunglückten Ski-Olympiasiegerin Christl Haas gedacht hatte, fand bei brütender Hitze statt - im Casino-Stadion wurde ein Spitzenwert von 47 Grad registriert. Das Spiel begann mit einem Satzgewinn des Spaniers, doch dann kam der anfangs sehr Fehler anfällige Feschak aus Guayaquil immer besser in Schwung und war letztlich in der ausgeglichenen Partie (er hatte am Ende mit 134 Punkten nur zwei mehr als Costa) der glücklichere Mann.

Sechster Matchball führte zum Sieg
Vorentscheidend war, dass der spanische Hipfl-Bezwinger im hart umkämpften siebenten Game des vierten Satzes (elf Mal deuce) fünf Breakbälle zum 4:3 nicht zu nützen vermochte und er auch aus den körperlichen Problemen seines Rivalen im Finish kein Kapital schlagen konnte. Costa schaffte dann zwar bei 4:5 nach der Abwehr von drei Matchbällen noch das 5:5, doch bei dessen nächsten Aufschlag verwandelte dann Hobby-Golfer Lapentti (Handicap 15) seinen sechsten Matchball zum Sieg, der auf Grund seiner familiären Beziehung zu Österreich eine "spezielle Bedeutung" hat.

29.7.2001 16:52