Sonntag, 29. Juli 2001

Einwohner in Sicherheit gebracht

Nach Deichbrüchen und neuen Lecks in den Schutzwällen hat sich die Lage im Hochwassergebiet im Südosten und Osten Polens am Sonntag dramatisch zugespitzt. In der Nacht brach beim südostpolnischen Ort Zalesie Gorczyckie ein Deich.

Das Wasser der Weichsel ströme durch das etwa 100 Meter breite Loch und hat polnischen Medien zufolge bereits den gesamten Ort und drei Nachbardörfer überflutet. Die Einwohner seien zuvor in Sicherheit gebracht worden.

Bisher 13 Tote
Bisher sind im Land mindestens 13 Menschen im Hochwasser ums Leben gekommen. Der Sachschaden beläuft sich jetzt auf etwa eine 3,52 Millionen Schilling (255,7 Millionen Euro). Von den insgesamt 16 Wojwodschaften des Landes (den deutschen Bundesländern vergleichbare Verwaltungsbezirke) sind insgesamt sieben vom Hochwasser betroffen, in vier von ihnen herrscht Katastrophenalarm.

In der Gegend um Zalesie Gorczyckie haben bis Sonntagmorgen nach Berichten der Nachrichtenagentur PAP 4.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Die Rettungsdienste waren mit Hubschraubern und Booten im Einsatz, um auch die Menschen von etwa tausend Bauernhöfen in der Region in Sicherheit zu bringen. Trotz akuter Bedrohung wollten viele Haus und Hof nicht verlassen.

Weiter nördlich, im zentralpolnischen Ujscie Kamiennej, sickert das Wasser ebenfalls durch den Deich. Am Vormittag stand ein Gebiet von sechs Kilometer Länge und einem Kilometer Breite unter Wasser.

Auch großes Kraftwerk bedroht
In der Region Sandomierz im südlichen Mittelpolen ist die Situation unverändert kritisch. Dort sprach am Sonntag Polens Ministerpräsident Jerzy Buzek mit dem Krisenstab und Betroffenen. Experten befürchteten, dass die bereits mit Wasser vollgesogenen Deiche der Belastung nicht standhalten können.

Das gilt auch für die Lage im nahe gelegenen Polaniec, wo ein großes Kraftwerk in Ufernähe steht, das die gesamte Region mit Strom versorgt. Seit Tagen versuchen die Einsatzkräfte, das Kraftwerk mit Sandsäcken zu sichern. Nun aber könne auch in Polaniec jeder Zeit der Deich brechen, berichtete der Rundfunksender Radio Kielce am Sonntag.

29.7.2001 16:06